Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 355 (sequence 394)
- Language
- German
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355 sich einer Tochter zu erfreuen. Run war ihr eine, halb vomZufalle, halb vom Glücke geschenkt worden. Wie sollte sie das Geschöpf ihres kräftigen Willens, das unter den Schmerzen der Angst ans Licht getretene Kind, nicht mit aller Eifersucht einer wirklichen Mutter behüten? Mehr als jedes weitläufige Erzählen hat es vielleicht Rosels Brief an ihre Mutter dargethan, welche Lust und überströmende Heiterkeit über die Seele des verwöhnten Kindes gekommen war. Trotz dem besten Lehrer hätte Gitel auf diesen Erfolg ihrer Erziehungskunst stolz sein können; sie hatte an ihrem Zögling wirklich dasjenige ausgesührt, was den Lehrern so selten in den Sinn kommt. Mitten aus einer müßigen Thätigkeit bei Herrn Julius Arnsteiner, aus dem zerstreuenden Dunste hälbverstandener Romane hatte sie Mosel zum selbständigen Eingreifen in das Hauswesen gewöhnt, und was Hannele Ehrenfeld, die reiche Gewölbfrau versäumt, das holte Gitel während der wenigen Wochen im Fluge ein. Sie führte Mosel in die Küche ein, sie erjchloß ihr das innerste Wesen eines Bauernhofes; sie verbarg ihr nichts, und wie man ein Kind mit Bändern und rochen Korallen ausschmückt, daß es weithin glänze und leuchte, wenn der Vater heimkommt, so schmückte Gitel auch die Tochter ihrer Freundin, um sie ihr einst völlig gesundet wieder zurückzugeben, niit allen Kunstgriffen und Lehren der Haushaltung aus. Niemals ist eine Erziehung reicher belohnt worden. »Gott Lebendiger!« sprach sie manchmal in ihrer mit aller Glut erkennender Dankbarkeit, wenn sie sah, wie das Mädchen immer mehr zunahm an Gedeihen und Wohlsein, an Thätigkeitstrieb und Erkenntniß, »wie ist das nur möglich, Gott Lebendiger, daß das Alles ein Buch soll zu Wege gebracht haben? Und wenn ich es ihr nicht weggenommen hätte? Was wäre daraus geworden?« Auf solche Fragen, gute Gitel, gibt es keincAntworten. Aber n