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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858) · p. Seite 335

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 335 (sequence 374)
Language
German
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T 335 Stimme, »wir solltenDich fortschicken! Wir wollen Dich ja halten, wie ein Stück Gold! Thu' mir aber nur gleich einen Gefallen.« »Was denn?« sagte Rosel und lächelte. »Red' Du mit mir.« »Mutter!« sagte das Mädchen mit Innigkeit und wandte ihr volles Antlitz in seiner ganzen Lieblichkeit und Feinheit gegen die Bäuerin. »ilnd Du bist mein Kind! meine Tochter!« rief die Bäuerin in tiefster Erregtheit. Sie mußte sich aus die Bank niederlaffen; es war eine körperliche Schwäche ungewöhnlicher Art über die sonst starkeFrau gekommen. Dann nahm sie die Hand des jungen Mädchens in die ihre und hielt sie minutenlange umschlossen. »Und jetzt sag', Rosel Leben,« begann sie wieder, »was ist mit Dir geschehen? Wie bist Du aus einmal so ganz anders worden? Ich mein' fast, cs ist einWunder Gottes vor meinen und deinen Augen vorgegangen!« »Ich schäm' mich, Mutter!« sagte Rosel mit gesenkten Blicken. »Wie Du gestern in der Nacht von mir fortgegangen bist, da war mir's, als sollt' ich nicht mehr den heutigen Tag erleben. Ich hätte vor Scham sterben mögen. Denn so hat noch keinMensch mit mir gesprochen, wie Du, nicht einmal meine Mutter. Besonders die nicht! und auch kein Anderer hätte sich unterstanden, mir etwas zu verweigern, oder gar wegzunehmen. Alles hat sich von jeher bemüht, mir gefällig zu sein, niemals hat Jemand ein ernstesWort mit mir gesprochen, als fürchtete man mir wehe zu thun. Wie sollt' ich da nicht verwöhnt und verzogen werden. Du, Mutter, bist die Erste gewesen, die ohne Scheu mit mir gesprochen hat, wie man immer mit mir hätte reden sollen. Mein Ankommen bei Euch war eine Beleidigung schon; ich bin deinem Mann weggelaufen,

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