Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 363)
- Language
- German
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322 könnt' eine Gräfin fahren, so weich und gut gepolstert ist es. Kann ich etwas dafür, daß es für die Tochter Hannele Ehrenfeld's zu hart ist?" Gitel wußte, daß ihr Mann keiner Lüge fähig sei; und eben so schnell begriff fie als eine Frau von Berstand, daß das Recht eigentlich auf Beider Seiten sei. Rasch einlenkend sagte fie daher, indem sie mit ihrer Hand über das Gesicht Rosa's fuhr: »Du wirst müd' sein, mein Kind, von dem Fahren und Laufen! Komm' auf dein Stübel, da findst Du ein Bett, das ist weicher, als der Sitz in meines Mannes Wagen. Da schläfst Du Dich gut aus, und wenn Du Früh aufstehst, da wirst Du schon sehen, daß fich's auch bei Leuten aus dem Dorfe leben läßt.« Sie führte sie hinaus, oas Mädchen sprach kein Wort dazu. »Etwas Schönes hat sich die Mutter da eingewirthschastet,« sagte der alte Bauer, als sie draußen waren, zu Zossef. »Was? wer sich eben nicht ratheu läßt, dem ist nicht zu Helsen. Was meinst Du dazu, Joffes?« Joffes blieb diesmal die Antwort schuldig. V. Eine liiihns Thal, Der Schlaf floh in dieser Nacht die wackere Gitel; der Morgen graute bereits, und ihre Augen hatten sich noch nickt geschlossen. Sie horchte auf den Athemzug der in der angrenzenden Stube Schlummernden; bei dem leisesten Geräusche fuhr sie im Bette auf und lauschte, ob man nicht ihrer Hilfe bedürfe, und ob das »Kind« nicht weine. Schwere Sorgen waren über die arme Frau gekommen, die manches minder ernsteGemüth von sich abgeschüttelt hätte; aber sie, in der ganzen Tüchtigkeit ihres Wesens, rang mit ihnen