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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858) · p. Seite 315

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 315 (sequence 356)
Language
German
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IRI
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315 Scenen, die sie mit Hannele Ehrenfeld zusammen erlebt, so greifbar vor der Seele sich sammelten, daß der dreißigjährige Zeitraum ihr wie eine Minute dünkte. Dann schrumpfte dieses Bild der Vergangenheit wieder so unkenntlich zusammen, daß sie mit allerMühe und Pein keines Zuges aus dem Antlitze ihrer Freundin sich erinnern konnte. In diesemZustande von Sehnsucht und Gedankenseligkeit erwartete sie die Tochter Hannele Ehrenfeld's. Dazwischen hatte sie nicht vergessen, für die Beherbergung des Gastes die nöthigen Boranstalten zu treffen. Sie hatte in der Eile ein nach dem Hose hinausgehendes Hinterstübchen, das man füglich als die »gute« Stube des Hauses bettachten konnte, wohnlich Herrichten lassen; das Stübchen war ihr selbst stets wie einHeiligthum erschienen, in das sie sich nur am Sabbath und an Feiertagen zurückzog. Jetzt kam es ihr fast unwürdig eines solchen Gastes vor; nun trug sie das Schönste aus dem ganzen Haushalte zusammen, um damit die vermeinte Armseligkeit zu schmücken. Es war ihr auch wirklich gelungen, und mit freudigem Stolze mußte sie sich selbst gestehen, daß keine »Prinzessin« sich schämen dürfe, in der Stube zu wohnen. Den schönsten Schmuck bildeten aber unstreitig die altmodischen Porzellanschalen, die sie in die Wirthschaft gebracht, und die noch nie berührt worden waren. »Geh' doch mal vors Dorf hinaus, und sieh, wo sie bleiben,« rief sie endlich dem unwirschen Sohne zu, »ich vergeh' säst vor lauter Sorgen, und Du kannst da fitzen wie ein Träumer. Du kommst mir wie ausgewechselt vor. Warum bist Du schon nicht längst über alle Berge? Kann denn dem Vater nichts geschehen sein?« »Es wird immer so spät, wenn er auf Vrandeis fährt,« bemerkte Joffes trocken. »Aber Hannele's Tochter!« ries die Bäuerin, »an die denkst Du nicht?«

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