Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 350)
- Language
- German
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309 feen sollen? Wenn man einmal Haussvrgen hat, setzt man sich zu keiner Korrespondenz hin, und schreibt lange Briefe. Hab' ich ihr denn geschrieben? Jetzt braucht sie mich — schreibt sie mir.« »Du willst sie also wirklich—?«fragte der Soldat nach einer Weile. »Ich versteh' Dich gar nicht, was Du dagegen hast,« sagte die Bäuerin; »auf's Essen und Trinken kommt's bei uns nicht an. Was soll mich also abhalten?« »Hat der Vater den Brief gesehen?« fragte dann hastig der Sohn. »Er hat mir ihn ja gegeben,« entgegnete sie. »Hat er ihn gelesen?« rief er hastig. »Er hat aber gar nichts gesagt,« erwiederte sie, »als: Thu, waS Du willst, Gitel. Du weißt ja wie er ist! Er verliert nicht gern ein übriges Wort, nicht einmal, von wem der Brief ist, habe ich aus ihm herausgebracht.« »Und ich, Mutter, sage Dir,« rief der einstige Soldat mit starker Rothe im Gesicht, und stand aus, »ich sage Dir, wenn mir Hannele Ehrenfeld den ganzen Weg bis zu unserem Dorf mit Gold pflastern macht', so thät ich's auch nicht.« »Um Gottes willen, warum nicht?« sagte die Bäuerin erschrocken. Jossef schien nach einem paffenden Ausdrucke für seine Erregtheit zu suchen, seine Lippen zuckten wie vor innerem Grimm. »Weil uns die reiche Hannele Ehrenfeld verachtet,« fuhr es böse aus ihm heraus, »weil ich's nicht ertragen kann, daß man Bauersleute, wie wir sind, mit Kühen und Ochsen in eine Reih' stellt, und endlich zuletzt, weil ich nicht möcht', daß so eine Prinzeß, wie ihre Tochter ist, sich über uns lustig macht.« »Wo macht sie sich lustig?« fragte die Bäuerin mit ungläubiger Miene, »ich Hab' nichts gehört.«