Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 339)
- Language
- German
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298 rechts und links, zwischen Wiesen und theilweisem Waldland, wie es der Charakter der böhmischen Landschaft mit sich bringt, in jenes Dorf hinauszieht. Nur zweimal in der Woche, wenn es Wochenmarkt in der benachbarten Kreisstadt gibt, belebt sich die einsame Straße; große Wagenzüge bewegen sich dann in den tiefgesurchten Geleisen, und bringen dasErträgniß des Feldes dahin, woAbsatz zu hoffen ist. Zweimal in der Woche läßt auch Rebb Feiwel »Bauer«, wie er weit und breit in der Umgegend heißt, seine Rosse anspannen, und dann fährt entweder er selbst oder sein Sohn Joffes zu Markt; zumeist aber liegt dieses Geschäft dem Sohne ob, der Wind und Wetter besser vertragen kann, als der alte Bauer. Der alte Bauer! Wer sich unter ihm ein grauhaariges Männchen mit cingebogenen Knieen und schlotternden Gliedern denken wollte, wie würde der sich täuschen und dem wirklichen Bilde ferne stehen! Das ist ein kraftvoller alter Mensch in der besten Bedeutung dieses Wortes, und wiewohl schon hoch in den Sechzigen stehend, würde er Jeden wie ein »Trenderl« wegblasen, der sich unterstehen wollte, ihnl beim Ausladen des schwersten Sackes mit Getreide behilflich zu sein. Ja, das kann der »alte« Bauer, und er kann noch mehr. Das wildeste Pferd so mit der gewaltigen Faust zu packen, daß es steht, und willig seinen Meister anerkennt, das wird ihm in den »Gassen« sobald Keiner nachthun. Wenn er angethan in seiner Jacke von schwarzem Manchester und den gelbledernen Hosen sich aufrichter, oder wenn er beim Morgengebet die Tefillin von dem nervigen Arme herabnimmt, dann hat es sein Aussehen, als könnte er sich selbst von den Himmlischen nichts gefallen lassen, als thue er nur gleicysam seine Schuldigkeit, und weiter auch nichts mehr. Freilich, der alte Bauer hat sein ganzes Leben ans diesem Dorfe zugebracht; der Hof, auf dem er jetzt als selbsteigner Herr sitzt, ward seit undenklichen Zeiten von seinen Vorfahren als Päch-