Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 283)
- Language
- German
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242 antragt hatte: daß eine christliche Regierung positive Functionen dem Judenthume gegenüber nicht übernehmen könne. Nach einer uns vorliegenden authentischen liebersicht haben sich die gegen Juden vorgekommenen gerichtlichen Anklagen fortwährend gemindert, und war das diesfalls schon früher dargebotene Verhältniß nicht unehrenhaft, so spricht es gegenwärtig ungemein zu ihrem Lobe. Hieran reiht sich die unter der jüdischen Bevölkerung in weit geringerem Verhältnisse ausgewiesene Zahl unehelicher Geburten. Der religiöse Gemeinsinn äußert sich zum Theil in sehr großartiger Weise, wie denn z. B. der Banquier Oppenheim in Cöln zum Bau eines neuen Gotteshauses 50,000 Thaler schenkte. Die Kehrseite der preußisch-jüdischen Zustände bilden die inneren Zerwürfnisse. Die Zeloten, die schon vor der Zerstreuung so viel Unheil über Israel gebracht haben, trieben auch hier den Scnndal so weit, daß sie den würdigen und höchst conservativen Dr. Sachs wegen Beseitigung einiger Piutim aus der Liturgie beim Ministerium verklagten. Dieses hat hiernach die Gutachten verschiedener Rabbinen eingeholt. Weiter geht wohl die sogenannte Neuvrthodoxie, welcher namentlich viele jungeJuden sich zuwenden, derenKern aber in einer rationalistischen Auffassung der Offenbarungslehre besteht. Die jüdischen Religionsschulcii in Preußen bleiben in ihren Leistungen gegen die österreichischen zurück. In Bayern dauern die unerquickliche» Zustände der Matrikelerschwerung fort, und nur in Ansehung der Schullehrer wurden neuerlich Ausnahmen statuirt. Zu Nürnberg wurde das vorjährige Versöhnungsfest — wieder zum ersten Male seit der Austreibung von 1498 — von den nunmehr daselbst wohnhaften 30 Familien begangen. — Augsburg hat sich durch Ueberreichung einer judenfeindlichen Adresse ausgezeichnet. Aus Unterfranken wird von vermehrten Widmungen zum Ackerbau berichtet, lieber die innern Zu-