Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 263)
- Language
- German
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222 geklärten Eindringling, gegen den Usurpator einer bis dahin nur von heiliger Ignoranz und blindem Zelotismus eingenommenen Stelle, angezettelt haben, um seine Aufnahme zu Hintertreiben. Wir übergehen die Einzelnheiten jener Fehden und Nergeleien, die der edle Rapoport erdulden mußte, bis die kaiserlichen Behörden dem Unwesen steuerten. — Als bemerkenswerth muß aber angeführt werden, daß der berühmte Nachman Krochmal, der vieljährige Freund und Verehrer Rapoport's, der damals von Brody nach Tarnopol übersiedelte, mit Rapoport's Amtswirksamkeit sich nicht einverstanden erklärte, und zu seinen eifrigsten Antagonisten zählte! Ueber diesen Conflict, der eine ernste Spaltung zwischen Krochmal und Perl zur Folge hatte, spricht sich Rapoport selbst in seinem warmen Nekrolog Krochmals *) in einem wehmüthigen aber versöhnlichen Tone aus. Doch auch diese Dornen auf Rapoport's Laufbahn sollten bald beseitigt werden. »Wenn der Ewige Wohlgefallen hat an eines Mannes Wandel, läßt er auch seine Feinde mit ihm Frieden machen.« Diese Worte Salomo's traten ins Leben. Rapoport wurde eine ecclatante Genugthuung. Schon 1840 erhielt er den ehrenvollen Ruf als Oberrabbiner der ersten israelitischen Gemeinde in der österreichischen Monarchie: nach Prag, wo ei» »Pne Jehoschua,« Jonathan Eibschitz, David Oppenheimer (der Besitzer der berühmten hebräischen Bibliothek) und Ezechiel Landau ihren Rabbinersitz hatten. Da verstummte der Neid, jede üble Nachrede, jeder Zweifel an seiner rabbinischen Capacität. Der Erfolg hat entschieden. Jetzt erst — wie überhaupt die Rückerinnerung alle hervorragenden, Abschied nehmenden Lebenserscheinungen zu vergolden pflegt — jetzt erst erinnerte man sich jener gediegenen Verträge, die Rapoport an Fest-und Feiertagen in Tarnopols Synagogen *) Kerem Chemed VI. S. 41 ff.