Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 252)
- Language
- German
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21. J Mit richtigem Znstincte richtete er seinen Haß vorzüglich gegen Erter, Natkis und Pastor als die gefährlichsten Neuerer, da sie sich mit dem Zugendunterrichte befaßten. Die Waffe, die er gebrauchte, war eine jener zweischneidigen, die er unter demApparate unduldsamer Borfahren vorgefunden. Er schleuderte nämlich(18I6) imFinstern, durch anonymePlacate, den seitKaiser Joseph verpönten Bannstrahl (Cherem) gegen jene Erzieher wie überhaupt gegen Alle, die dem Studium profaner Wissenschaften oblagen, namentlich gegen Natkis, Erter, Rapopon u. A. *), wie einst Salomo den Adereth und sein Anhang gegen Maimonides' Schüler und seine Lehre. Dieser Streich , welcher Reactionsgelüste und Berfolgungssuchr selbst bei den ruhigen galizischen Orthodoxen hervorries, und der jungen Denkfreiheit einen tödtlichen Schlag versetzt zu haben schien, war dennoch anderseits von heilsamen Folgen. Die Regierung wurde aus das banale Treiben des »Lemberger Großinquisitors« — wie die gebildeten jungen Leute Qrnstein bezeichnend genug titulirten — aufmerksam. Eines Tages mußte dieser im Aufträge der Behörde in der großen Synagoge der Altstadt nicht allein feierlich den Bann widerrufen, sondern auch die von ihm versolgtenTendenzen der Aufklärung durch Belege aus talmudischen Autoritäten sanctioniren. Ein tragikomischer Umstand kann hier unmöglich mit Stillschweigen übergangen werden. Ornstein war, wie alle ältern Rabbiner in Polen, des deutschen Ausdrucks nicht mächtig. Zu seinen sogenannten »Deraschoth« reichte sein Jargon so ziemlich hin. Verstanden oder mißverstanden, man bewunderte seinen Scharfsinn, - *) Vergl. die hebr. Dedication S. Bloch's an Rapoport (Sckebile Olam II.) über dieses gegen Letzteren verübte meuchlerische Anathem. 14