Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 231)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2609281-2609288--3452-2610797- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
190 der Fürsorge unserer Staatsverwaltung, eine hebräisch-deutsche Haupt- und Mädchenschule, in der beinahe sechsthalbhundert Kinder <253 Knaben und 293 Mädchen) *) einen von 11 Lehrern und 5 Lehrerinnen in der hebräischen, deutschen, polnischen und ruthenischen (uiiobligaten) Sprache, im Schreiben, Rechnen und in Geographie, und die Mädchen in Handarbeiten Unterricht genießen, der sie befähigt, nach zurückgelegten vier Jahrgängen mit guten Erfolgen in höhere Unterrichtsanstalten einzutreten, für die die Knaben hier trefflich vorbereitet werden. Die Mängel, unter denen diese junge Schule anfänglich litt, weichen nun der Erfahrung, und kann man diesem Institute eine gute Zukunft prognosticiren, wenn der gegenwärtig rege Eifer des Lehrpersonals und der Jnspectoren, sowie der augenfällige Fortschritt sich gleich bleiben. Das Koschersieisch — diese zu allen Lasten und Abgaben von Alters her verurtheilte Nahrung — der Schulfond und die Schulgelder, sowie ein kleiner Zuschuß der Gemeinde, liefern der Schule ihren sich jährlich aus 6000 fl. belaufenden Geldbedarf. An diese Lehranstalt lehnen sich zwei Wohlthätigkeitsinstitute. Das eine, eine Schöpfung der Pietät des Herrn Mayer Kallir, har die Bestimmung, Knaben, die nach zurückgelegter Normalschule sich einem schweren Handwerk widmen, mittelst Stipendien zu unterstützen, und nach den Dienstjahren zu dotiren. Capital und angewachsene Zinsen haben bereits eine Ziffer von 5670 fl. erreicht, deren Nutznießung mit nächstem Jahre genannter Widmung zu gute kommt. Das zweite hat den Zweck, mittellose Kinder, von denen wohl *) 546 Kinder sind eingeschrieben, von denen jedoch viele ausblieben. Die Ursache dieser Desertionen mag man in der ungünstigen Lage des Schulgebäudes suchen, weit, am Ende der Stadt gelegen, manchen Kindern die Entfernung den Schulbesuch erschwort. Warum sollte eine so angesehene Gemeinde wie die von Brody nicht ihr eigenes Schullocal haben?