Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 179)
- Language
- German
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138 »Der theologische Werth der hebräischen Alterthumsschriften hat die Meinung herbeigesührt, daß sie ein ausschließliches Studium der Theologen bilden, sowie daß es genügend sei, wenn ihr betreffender Inhalt systematisch geordnet im Religionsunterricht mitgetheilt wird. So ist denn deren sonstiger allgemein menschlicher, wissenschaftlicher, ästhetischer Gehalt der Kenntnißnahme so Vieler, und namentlich auch der Zugend entzogen worden. Warum aber sollte Letztere Davidische und Assaphische Hymnen nicht auch mit dem Interesse lesen, wie Horazische Oden, warum nicht den Pentateuch, die Kämpfe der Richter und Davids, wie Herodot und die ersten Bücher des Livius, warum nicht die Meditationen der Prediger über Zugend, Alter und Lebensweisheit, wie ähnliche Schriften classischer Autoren? Welchen mächtigen und veredelnden Einfluß auf das Gemüth müßten die über Alles herrlichen, unübertroffenen Naturschilderungen ausüben, wie sie das Buch Hiob und die Psalmen enthalten, deren 104ter, wie Humboldt bemerkt, den ganzen Kosmos in wenigen, treffenden Zügen abspiegelt?« Wir erachten das vom wissenschaftlichen Standpunkte vielfach gewürdigte Werk des Dr. Saalschütz selbst zur Förderung des vorgesteckten Zweckes sehr geeignet; sei es um als Lehrbuch für höhere Schulclassen oder als Leitfaden zu populären Vorträgen zu dienen. Nicht minder könnte die Profangeschichte der Juden — freilich in geistvoller und anregender Auffassung, wie wir sie unseres Wissens noch nicht besitzen, in gleichen Betracht kommen. Endlich wären unsere heiligen Seher und Sänger, und neben dem königlichen Dichter der Psalmen und dem Hiob, doch ganz gewiß auch der unübertroffene Jesaias durch öffentliche Vorträge und Veranstaltung besonderer Ausgaben angezeigt, in Blut und Saft des Volkes überzugehen. Das Judenthnm, vielfach noch mißkannt und geschmäht, bedarf mehr als jemals der Hebel, um zur gerechten Würdigung un-