Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 149)
- Language
- German
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108 Ganz derselbe plötzliche Ilebergang vom Hellen ins Dunkle ist fa Frankfurt. Obschon die Frankfurter Judengasse, ähnlich wie die »Altneuschul« daselbst, eigentlich nur eine erneuerte Auflage der abgebrannten alten ist, so sieht sie dennoch, gleich den rauchgeschwärzten Monumenten Englands, älter aus, als sie ist, was um so natürlicher ist, da ein ängstliches Toilettemachen nie ihre Sache war. Es ist noch ganz unsere gute alte Zudengasse, obschon die Neuzeit sie etwas gelichtet, und man vor mehreren Jahren einzelne Häuser ganz abgetragen hat. Es hieß sogar damals, man habe höheren Ortes den Plan gefaßt, mit der ganzen Judengasse tabula rasa zu machen. Das geschah nun nicht, aber eigentlich wäre es auch wirklich Schade gewesen —• schon wegen Eines Hauses. Wir meinen nicht das Haus, in welchem Börne geboren ward, das sogenannte steinerne Haus, sondern ein ganz anderes. Es war das ein kleines, zwei bis drei Fenster breites Haus, und wenn vor wenig Jahren reisende Engländer durch die Judengasse gingen, und der Lohnbediente auf dieses Haus deutete, befrachteten sie es mit staunendem Kvpfschütteln. In diesem Hause wohnte Gudula Roth- schild — wohl auch scherzweise, wie die Mutter der Napoleoniden, Lätitia genannt. Paläste standen ihr zu Gebote, aber sie wollte das bescheidene Haus nicht verlassen. In diesem Hause war sie alt geworden; hier hatte sie es erlebt, wie der Bibelspruch sich becongregatio, coetus hominiim hatte (Muratori VI., Diss. 75) ward von den Juden zur Bezeichnuug der Synagoge gebraucht, wie aus Du Gange (s. v. scliola) zu ersehen. Du Gange fügt noch hinzu: Escole etiam nunc synagogam vocant Juclaei Avenionenses. Das Wort Sch ule« scheint übrigens um so passender, als von jeher neben dem Gebet auch die Belehrung Zweck der Synagoge war, sowie man wohl auch umgekehrt das Lehrhaus als den geeignetsten Ort zum Beten ansah (Berachoth 8 a. cf. Megiltah 29).