Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 84)
- Language
- German
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43 kaum erwarten möchte — so viel liebliche Rosen auf großgefurchtem Ackerfelde! Als noch später die mittelalterliche »Gemüthlichkeit« am Jammer der Gefolterten ihr Behagen fand, und die »Liebe« der europäischen Völker sich an den Flammen wärmte, die sie mit Menschenopfern unterhielt, bestiegen die Frauen mit den Männern die Scheiterhaufen, theilten jenes entsetzliche Loos der Gatten mit gläubiger Begeisterung, stürzten von Thürmen und Zinnen, suchten in den Wellen den Tod und Schutz ihrer Glaubenstreue und Frauenehre, widerstanden der List wie der Marter, der lleberredung wie der Gewalt, und schwerlich hat irgend ein Glaubensbund so viel Blutzeugen in seiner Geschichte aufzuweisen, als die Judeuheit Märtyrer des »schwächer»« Geschlechtes in jenen schaudervollen Jahrhunderten ritterlicher Romantik. Keineswegs war es jedoch Mangel an Bildung und Kenntnissen, die in den Frauen den gläubigen Sinn gewahret hatte, vielmehr hat umgekehrt das glaubensvolle, ahnungsreiche weibliche Herz trotz der Ungunst der Zeiten, ihnen den Sinn für Bildung und Erleuchtung wachgehalten. Besitzen wir doch neben andern verschiedenen Schriftwerken von weiblichen Autoren jener Zeit noch ein Epos in deutschen Reimen aus der Feder einer jüdischen Schriftstellerin, das in Form und Sprache nicht schlechter ist, als andere gleichzeitige Erzeugnisse der Dichtkunst, und das aus jenen Tagen, als in Deutschland noch mancher stolze Burgherr, des Schreibens unkundig, neben denAbdruck seines Degenknopfes nur drei Kreuzlein statt des Namens setzen konnte. Denn damals hatten sich die Juden nicht so ängstlich — wie späterhin — vom allgemeinen Kulturleben abgeschlossen und zurückgezogen. Die Frauen vergaßen ihren erziehlichen Beruf nirgends, und so mächtig auch eine Gutalda aus Innsbruck, eine Gentilla aus Speier, und wie die todesmuthigcn jüdischen Märtyrinnen alle hießen, durch ihre erschütternden Beweise von Heldenmuth die Ge-