Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 61)
- Language
- German
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20 klagten ihn der Gotteslästerung an und überlieferten ihn unter dem Rufer Tödtet ihn, tobtet ihn! der Volksjustiz. Eine große Bewegung entstand in Jerusalem, Alles lief nach dem Tempelplatze, wo Zeremias mißhandelt wurde. Als die Nachricht davon in den Palast gedrungen war, eilten dieFürsten auf den Schauplatz des Auslaufs. Beim Anblick der Machthaber wiederholten seine Feinde ihre Anklage gegen ihn und drangen darauf, ihn die Lästerung mit dem Tode büßen zu lassen. Die Frömmigkeit wurde von Gottlosen angeschuldigt, die Unschuld von Lasterbefleckten in den Anklagestand versetzt! Jeremia vertheidigte sich würdig und leidenschaftslos. »Ich spreche im Namen Gottes gegen Stadt und Tempel, an euch ist es, das Unglück abzuwenden. Ich bin in euren Händen, thut mit mir, wie es euch beliebt, wisset aber, daß ihr unschuldiges Blut vergießt.« So gewaltig wirkten seine schlichten Worte, daß die Großen zu seinen Gunsten umgestimmt wurden. Die Besonnenen beschwichtigten selbst das erzürnte Volk und sprachen: »Der Mann verdient den Tod nicht; denn er spricht zu uns im Namen unseres Gottes.« Einige führten das Beispiel des Königs Chiskijah an, in dessen Zeit der Prophet Michah Aehnlichcs geweissagt, der Tempel werde in eine Einöde verwandelt werden, ohne daß ihm Leides zugesügt worden wäre. Der Volkszorn legte fich, und Achikam konnte Jeremia der Wuth der Priester und Lügenpropheten entziehen. Aber so festgewurzelt war das Götzenthum in den Gemüthern, daß an ein Abstellen desselben jetzt so wenig wie früher gedacht wurde. Jeremia hatte durch die Verwendung der Großen weiter nichts als Redefreiheit gewonnen. Diese benutzte er aber auch, um vor politischen Mißgriffen zu warnen. Alle Welt war nämlich mit der chaldäisch-babylonischen Oberherrlichkeit unzufrieden. Man hielt es für schimpflich, einem Emporkömmling, wie Nebukadnezar, unterthänig zu sein. Seine Erobenmgen schienen ebenso vorübergehend zu werden, wie die der