Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 60)
- Language
- German
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19 pfen, sondern was das Schwierigste war, gegen das patriotische Gefühl in der eigenen Brust. Sein Prophetenamt erweiterte sich zur Sphäre eines Staatsmannes. Er bildete gewissermaßen den Mittelpunkt einer politischen Partei, um den sich die Bessern, Achikam, sein Sohn Gedaljah und noch einige Fürsten schaarten. Der König selbst bekannte sich zeitweise dazu. Jeremias Heller Blick durchdrang die dunkle Verwicklung, sein gerader Sinn war für eine ehrliche Politik. Doch war die Politik dem von ihm angestrebten Ziele, sittliche und religiöse Besserung des Volkes, durchaus untergeordnet. Da Zeremia mit seiner Anschauung der Verhältnisse im Widerspruche mit der öffentlichen Meinung war, so lief er jeden Augenblick die größten Gefahren, sein Leben hing so zu sagen an einem dünnen Faden. Die Hingebung seiner Freunde und selbst das Wohlwollen des Königs konnten ihn nur mit Mühe schütze». Das Alles hinderte ihn nicht einen Augenblick, seine Meinung mit rücksichtslosem Freimuth auszusprechen. — Gleich nach Zidkijah's Regierungsautritt drang er darauf, den Götzencultus und die damit verschwisterte Unsittlichkeit abzustellen. Dabei äußerte er sich über den hochverehrten Tempel, der als Talisman gegen alle Fährlichkeiten angesehen wurde, in einer Art, welche in vielen Kreisen die höchste Entrüstung hervorrief. Er warnte, daß das Volk sich nicht aus den Tempelschutz verlassen sollte: »Wie, ihr stehlet, mordet, ehebrechet, schwört falsch, opfert Ungöttern, und dann kommt ihr in den Tempel und meinet, hier ist Rettung! Ist denn der Tempel eine Räuberhöhle?« Er verkündete dem Heiligthum zu Jerusalem dasselbe Schicksal wie dem zu Schiloh, das in Folge der Entartung zerstört wurde. Diese so entschieden gegen den Tempel geäußerte Drohung klang in den Ohren der »Stein- und Holzverehrer« wie Gotteslästerung, und sie verfuhren mit ihm wie mit einem Heiligenschänder. Die Priester und seilen Propheten packten ihn, 2 *