Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 53)
- Language
- German
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12 uten geworden. In einer noch erhaltenen Rede erinnerte er an das unter Jvsias eingegangene Bündniß, dem Götzendienst fremd zu bleiben, und bezeichnete den Rückfall als Bundesbruch undMeineid. »Es herrscht eine Verschwörung in Judäa und Jerusalem, sie sind zu den Sünden ihrer Bäter zuriickgekehrt. Darum bringe ich über sie (spricht Gott) ein Unglück, dem sie nicht entgehen können, dann werden sie mich anflehen, ohne erhört zu werden, nnd ihre Götter anrufen, die ihnen aber in der Roth -nicht Helsen werden. Denn wiederum sind deine Götter, Juda, ebensoviele wie deine Städte. -Was will mein liebes Volk in meinem Tempel? Schandthaten ausüben? Sollen Gelübde und heiliges Fleisch deine Sünden von dir nehmen? deß würdest du dich freuen!« Die Gleichgiltigkeit, ja die Verachtung gegen das gedankenlose rein äußerliche Opferwesen, die sich in dieser meisterhaft ironischen Wendung ausspricht, ist zwar nicht Jeremia eigenthümlich. Seine Vorgänger, die Propheten Amos, Hosea und Jesajas haben in demselben Sinne gesprochen, aber keiner von ihnen hat gleich Jeremias dieses Thema so oft zum Gegenstände seiner Strafredeu gemacht. »Leget doch eure Brandopfer zu euren genießbaren Opfern hinzu, dann könnt ihr doch mindestens das Fleisch essen,« sprach er einmal; »denn nicht um der Opfer willen habe ich zu euren Vorfahren gesprochen. Wozu soll mir euer Weihrauch,« sprach er ein andermal, »der aus Sabäa (Jemen) kommt, wozu mir das feine Gewürzrohr aus fernem Lande (geholt)! eure Brandopfer sind mir zuwider, und eure Schlachtopfer unangenehm (spricht der Herr).« Jeremia hetzte sich durch solche freimüthige Aeußerungen die ganze Priesterkaste auf den Hals. Seine eigenen Landsleute, die Priester von Anatot, waren seine Todfeinde, unter diesen auch Einer, den er nicht nennen mochte, seinJugendfreund und ehemaligerBertraute. Aber auch Freunde fehlten ihm nicht. War vielleicht auch seine düstere Stimmung nicht geeignet, vertrauten Umgang zu fördern,