Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 46)
- Language
- German
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lienlebens. Die Gottesstimme sprach zu ihm: »Nimm keine Frau, und erzeuge keine Kinder«, und er gehorchte und brachte das Opfer, das dem Orientalen und dem Israeliten doppelt schwer werden mußte. Jeremia ist, soviel bekannt ist, der einzige in der israelitischen Geschichte, der ehelos geblieben ist. Schon diese wenigen Züge zeigen uns Jeremia, auch nur an einem menschlichen Maßstabe gemessen, als eine außergewöhnliche Erscheinung , als eine Persönlichkeit, die von der Natur zu einer bescheidenen, geräuschlosen Thätigkeit bestimmt, aus dieser Bahn herausgerissen und in den Strudel verwickelter Verhältnisse hineingeschleudert wurde, um thätig in dieselben einzugreisen. Was er eigentlich gewollt hat? Die Antwort auf diese Frage ergibt sich erst aus dem Verlaufe seiner Lebensgeschichte; doch so viel von vorne herein. Jeremia, wie die Propheten vor und nach ihm, trug ein ideales Bild vom Judenthum in sich und wollte dieses Ideal in allen Classen der Bevölkerung, in allen Verhältnissen des Staates und der Religion, im Königthume, im Tempel, im Priesterthum, int socialen Leben bethätigt und verwirklicht sehen. Weil aber die Wirklichkeit das Zerrbild dieses Ideals war, so erklärte er demGötzenthum, dem Aberglauben, der gedankenlosen Werkheiligkeit, der Unsittlichkeit, den Verkehrtheiten aller Art und den Personen, die das Alles vertraten, unerbittlichen Krieg. Er zeigte, wie Sittlichkeit und innige Frömmigkeit die Grundbedingungen des staatlichen Wohles ausmachten, und ein Gemeinwesen, das dieses Haltes entbehrt, in sich morsch ist und über kurz oder lang zusammenstürzen müsse. Der Ausgang bestätigte seine Worte nur zu sehr. Beinahe ein halbes Jahrhundert (625—580 vorchristl. Zeit) lehrte Jeremia in diesem Sinne unter harter Verfolgung und steter Todesgefahr. Anschaulicher wird jedoch erst seine Bedeutsamkeit durck die geschichtlichen Zustände und Ereignisse in Judäa in den letztenJahr-