Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 325)
- Language
- German
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I 281 mit dem Judenthum; es hat für den nichtindifferenten Juden, der mit den rabbinischen Satzungen gebrochen hat, die Reform geschaffen; das magyarische Geistesleben ist nicht so vielseitig und der magyarische Jude, der den rabbinischen Satzungen die Lebenskraft abspricht, hat noch keine Gestaltung an dessen Stelle gebracht. Bei dem Allen ist zu bemerken, daß der Jude auf das magyarische Geistesleben gar keinen Einfluß gehabt hat. In der deutschen Literatur sieht man doch Spuren, die ihr jüdische Talente eingedrückt haben, so wie umgekehrt die Entwicklungen auf dem religiösen Gebiet der deutschen Juden vom deutschen Geiste ihren Anstoß erhielten. Daß es in Ungarn diese Wechselwirkung nicht gibt, mag daher kommen, weil da der Jude, möge er in seinem spätern Alter noch so sehr magyarisirt sein, in seiner ftühern Jugend doch nur deutsche geistige Anregungen erhält; wenn er in der Schule den Urtext der Bibel übersetzen lernt, so geschieht dies nur in deutscher Sprache. Und dies mag uns beweisen, daß der ungarische Jude von Haus aus ein deutscher und bereits mit deutscher Sprache eingewandert ist. Zu entfernt, um von den Strahlen deutschen Culturlebens erreicht zu werden, gab er sich um so leichter den magyarischen Eindrücken hin, nach unten indem er im Verkehr mit den Bauern sein Brot erwirbt, nach oben im Verkehr mit der Aristokratie. Die nordwestlich und westlich wohnenden Juden Ungarns sind frei vom Chassidismus, zählen noch viele Orthodoxe, und ihre Aufklärung entspricht den deutschen Bewegungen auf jüdisch-religiösem Gebiete. Vervollständigt wird dieser Gedanke von der geographischen Gliederung, wenn wir noch aus die Eingangs aufgestellte Behauptung, daß die nationalöconomischen Bewegungen auf das religöse, sittliche und wissenschaftliche Leben der Juden in Ungarn von großem Einfluß sind, zurückkommen. Gerneinden lösen sich auf, weil neue Verkehrswege Capitalien umd Besitzer von einem Ort fortziehen und an einen andern binden, wodurch sich wieder neue Gemeinden bilden. Und die: Gemeinde ist das Organ