Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 324)
- Language
- German
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280 Beziehung erhalten konnte; höchstens war dies in sittlicher Beziehung der Fall. Wenigstens hört man nicht selten im Urtheil eines süd- und westungarischen Juden über einen uordungarischen Glaubensgenossen das bezeichnende Wort: »Er ist ein Slovak!« Besser befreundete sich der Jude mit dem magyarischen Element. Worin der Grund hievon liegt,, das wollen wir dahingestellt sein lassen und einfach die Thatsache bestätigen. Der Meinung aber, dieser Grund liege in irgend einer entfernten nationalen Verwandtschaft, müssen wir im Vorhinein begegnen, und wollen vorübergehend bemerken, daß die Magyaren wohl aus Asien gekommen, aber zu einer ganz andern Menschenrace gehören als die Völker, die man gewöhnlich unter den orientalischen im engeren Sinne versteht; was aber die Sprache der Magyaren betrifft, so gibt es einegroßephilölogischePartei, welche die Wurzeln derselben in der finnischen zu finden glaubt, während den Finnisten dilettantischer Unglaube gegenübersteht. Sei dem wie immer, so steht es, wie gesagt, fest, daß die Juden, die unter Magyaren wohnen, mit diesen sich so sehr befreundet haben, von ihnen so sehr beeinflußt wurden, daß sie im Allgemeinen Kennzeichen davon trugen, die sich direct oder indirect diesem Umstande zuschreiben lassen. Sie sprechen im Durchschnitt besser magyarisch als deutsch; sie werden von der Fidel des Zigeuners eben so sehr elektrisirt, wie die Nachkommen derer, die unter Arpad nach Pannonien gekommen sind; sie sind Ln religiöser Beziehung toleranter, und nur industrieller als ihre Meister. Ich habe einen, jungen Mann gekannt, der auf einer Pußta geboren und erzogen, kein anderes Wort als ungarisch sprechen konnte; er lernte erst — jüdisch-deutsch, als er in einer Stadt mir Glaubensgenossen in Berührung kam. Ich habe schon manchen Juden, der vielleicht eben ein gutes Geschäft gemacht, im Gasthause gesehen, wie er sich von Zigeunern aufspielen ließ, Ehampagner trank, und die Csardas tanzte, — und das Alles in einer jüdischen Restauration. Das deutsche Geistesleben beschäftigt sich mit Allem, also auch