Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 314)
- Language
- German
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270 Was braucht es da der Weisen Deutung erst? Der Lehre Sinn gibt sich dem Herzen kundz Drum ist der Deuter Grübeln ohne Werth, Ihr Mühen nur vergeblich, ohne Grund. — Der Rabbanite: Mein Sohn! ist deine Stütze das Gesetz, Und kann dein Herz Dir seine Deutung sagen: Nimm einen Vers und stell' Dich gegen mich, — Laß mit einander einen Kampf uns wagen! Sprich, wie er anzuwenden, zu vollzieh'», Und welcher Weg hierin sei einzuschlagen. — Wenn Du das Alles zu enthülleu weißt, Ohn' Mi sch na erst und Talmud zu befragen, Dann will ich meinen Jrrthum eingesteh'n, Bekennen, Dir gebühr' die Krön' zu tragen. — Der Karaite: So lang' ich leb', halt fest ich an der Schrift, Schreib' meinen Erben vor, daran zu halten. Was geht die Ueberlieferung mich an? — Mich kümmert nicht der Commentar der Alten. Ich thu', wie meine Väter einst gethan, Als sie aufZion's heil'gem Erdreich wallten, — Da wußte man von Talmudisten nichts, Da gab's noch keine Geonim-Gestalten. 10) Sie aber lebten Gott getreu, und er Ließ über sie sein Wohlgefallen walten. —• Der Rabbanite: Wenn deine Väter einst im heil'gen Land Sammt ihrem Haus gelebt nach Gottes Wort, Geschah's, weil — wenn auch keine Geonim — Doch Priester und Leviten waren dort, -Und die Propheten, deren Amt es war, Das Volk zu unterweisen fort und fort. Da sie geschwunden, hat an ihren Platz Die Geonim gesetzt der ew'ge Hort. —