Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 313)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2609281-2609286--3172-2610516- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
269 Gleicht dem, der sagt: »Ich ehr' des Königs Wor Doch des Vertreters Weisung darf ich brechen.« Der Karaite erwiederte: Ich glaub' an Mosis Lehre einzig nur, Und mag der Propheten Wort nicht schmähen; Doch euren Weisen schenk' ich kein Gehör, Weil sie vermessen Gottes Wort verdrehen. Ich stütz' mich aus die Schrift, die mich erhebt! Wer sie verläßt, muß seinen Nacken beugen; So gleich' ich dem, dem an des Baumes Stamm Sich lehnt, und hin nicht schauet nach den Zweigen. Der Rabbanite: O frage doch die Männer alter Zeit, Ob je ein Wissenszweig entbehrt der Lehrer; Der Heilkund' Schrlften waren dunkel einst, Bis sie enträthselt haben die Erklärer. Und wären sie geblieben unerklärt — Die Heilungsmittel selber wären Tödter! — So war auch das Gesetz ein Räthsel einst, Bis deutlich es gemacht die heil'gen Väter. Denn der Begriffe viele es umfaßt, Die wieder viele Satzungen umfangen; Ihr Sinn wird durch der Weisen Deutung klar, — Wer ihn will finden, muß nach ihr verlangen. Blos mit dem Wortsinn zu begnügen sich, Führt' nur zu Uebertretung und Vergehen; Wir wären, ohn' die Weisen, Blinden gleich, Die ohne treuen Führer hilflos stehen. — Der Karaite: O Mosis Wort Ut klar, wie sein Gebot Verständlich dem Verständ'gen und bekannt; Und wer sie dunkel nennt, der gibt sich Preis, Der zeigt nur seines Kopfes Unverstand.