Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 273)
- Language
- German
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vorigen Jahres die neu errichtete Synagoge eingeweiht. Bei der Feierlichkeit, die mit Orgel und Choralgesang begangen wurde, war nicht nur die französische Gesandtschaft in aller Form anwesend (die Berner Juden wohnen nämlich als französischeBürger in der Schweiz), sondern auch der schweizerische Bundesrath, die Berner Regierung und Geistlichkeit. Während die gespenstige Furcht vor dem Eindringen fremder Juden die schweizerische Bundesregierung zu engherzigen Klauseln in den mit Amerika und England geschloffenen Verträgen antrieb, hat sich die früher sehr erschwerte Ansiedlung der Juden in der Schweiz doch sehr verbreitet. Besonders ist dies in der französischen Schweiz der Fall und im Canton Bern; Bern, Avanches, Genf, Chaur-defonds, Locle sind schon Gemeinden mit eigenem Lehrer unb Vorsänger. Ferner wohnen fremde Juden in Langenthal, Burgdorf, St. Jmier, Neufchatel, Lausanne, Uverdnn, Vevay, Moudon, Colombier, Porentruy, Delemont und noch vielen andern Orten; ferner in der deutschen Schweiz : in Zürich, Wyl, Frauenthal, St. Gallen und andern Orten. Der Canton Thurgau hat keine Juden. In seinem Jrrenspital ist aber ein Jude, Dr. Bißwanger, Spitalarzt. Bei den Eisenbahnarbeiten sind Juden Unternehmer bei den bedeutendsten Bauten. Ans einer Reise, die der Berichterstatter der »A. A. Z.« im letzten Sommer durch den Canton Appenzell machte, hörte er einen St. Galler Beamten, der sich sehr günstig und wohlwollend über die Juden äußerte: Ja wenn in St. Gallen die Juden nicht wären, so würden viele Hände ohne Arbeit sein. Bei dieser Gelegenheit erzählt er einen Zug von einem jüdischen St Galler Hause. Während im vorigen Winter die Fabrikanten wegen der Stockung des Verkehrs ihren Arbeitern den Taglohn verringerten, erhöhten die Herren Baumann-Banschal den Lobn ihrer Arbeiter. Hierüber von den Fabrikanten zur Rede gestellt, gab Herr Baumann zur Antwort: »Es wird den Arbeitern auch dann, wenn der Verkehr gesteigert wird,