Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 266)
- Language
- German
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222 schen Kleinstaaten wnrde den Inden das passive Wahlrecht entzogen. Einen würdigen Vorkämpfer ihrer Rechtsansprüche haben die Juden in Hannover an Dr. Hildebrand Bodemeyer, Privatdocenten zu Göttingen, gefunden. Seine Monographie »die Juden«, ein Beitrag zur hannoverschen Rechtsgeschichte, ist eine schätzbare Arbeit. In Kurhessen hat es den Anschein, als ob die Regierung die Juden auf die blos bürgerlichen Rechte reduciren wollte. Zu Cassel verstarb im vorigen Jahre ein würdiger von allen Classen hochgeachteter Repräsentant der dortigen Judenschaft, der Banquier Feidel. Er war während achtundzwanzig Jahren Secretär der Gesellschaft der Humanität, seit vielen Jahren Kreisvorsteher, Mitglied des kurfürstlichen Vorsteheramtes der Provinz Niederhessen und des Schulvorstandes. Er hinterließ eine Stiftung von 20,000 Thalern zur Gründung eines Waisenhauses. In einem erfreulichen Contraste zu Kurhessen sind die jüdischen Zustände im Großherzogthum Hessen-Darmstad t. Hier herrscht vollkommene Gleichstellung und die Juden sind auch zu allen öffentlichen Aemtern zugelaffen. In solchem Sinne werden auch arme jüdische Waisenkinder auf Kosten der allgemeinen Landesanstalt versorgt. Obwohl Cultus und Schulwesen noch manche Verbesserungen wünschenswerth machen, so zeigt sich doch ein regsamer Geist. Ebenso wie in Rheinbaiern fand im vorigen Jahre auch zu Gießen die zweiteRabbinerconferenz statt, welche namentlich in der Liturgie und im Confirmandenunterricht eine größere Einigung erzielt. Hervorragend für die volkswirthschaftlichen Interessen Deutschlands ist die höchst bedeutende Rolle, welche die Wormser Juden namentlich in der Glanzlederfabrikatiou und im Kleiderhandel all' ingrosso spielen. Letzterer erstreckt sich bis nach Australien und den Sandwichsinseln. Im Großherzogthum Baden haben sich keine besondern Veränderungen ergeben. Im Landtagsbudget wurden 1950 fl. für den israelitischen Cultus und 214 fl. als