Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 243)
- Language
- German
- Belongs to
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199 uns Dr. Polak: Die Juden, welche hier von der Weinfabrikation, Goldwäschen und Münzenlesen leben, sind ganz in ihrem Habitus den deutschen sogenannten Aschkenes, weniger den Sesardin ähnlich, sie leben unter starkem Druck der Intoleranz. Vielweiberei ist unter ihnen erlaubt, ebenso der Genuß des Hintertheiles vom Vieh, während sie sonst in Gebräuchen, Gebeten, Formeln und Sitten durchaus von andern Juden sich nicht unterscheiden. So viel ich auch um einige Geschichtsquellen forschte, so konnte ich doch nichts entdecken, das über die verworrenen Daten etwas Licht verbreitete, weil sie keine geschriebenen Quellen von früherer Zeit besitzen. Die häufig Vorgefundenen gedruckten Bücher stammen alle aus Livorno, Wien, Prag und Wilna. Sie sprechen unter einander das persische, die Gebildeten bedienen sich jedoch des hebräischen Idioms sowohl im Sprechen als auch im Briefwechsel; sie haben auch eine eigene Cursivschrist, die der chaldäischen ganz ähnlich ist. Sie leben in steter Communication mit Jerusalem durch Missionäre, welche von dort ausgeschickt werden und alle diese Länder ungefährdet bis nach Indien bereisen, wo sie dann zur See zurückkehren. Die Einflußnahme der Pfortenregierung zur Verbesserung der jüdischen Zustände sowohl in Serbien als in den Donaufürstenthümern hat bisher zu keinen besonders erfreulichen Resultaten geführt. Die sehr verschlimmerte Lage der Juden in Serbien hat ganz neuerlich besondere Demonstrationen veranlaßt. Unter Milosch Obrenovitsch genossen die Juden in Serbien alle Freiheiten; sie verloren sie aber unter Kara Giorgievich trotz der türkischen Demonstrationen, die auf Verwendung der englischen Regierung wiederholentlich erfolgten. Die Schmälerung der Gewerbs- und Besitzrechte datiren vom Jahre 1839; späterhin kamen Beschränkungen in der Uebersiedlung von einem Orte zum andern hinzu. Die Vorsteher der Gemeinde zu Belgrad haben sich nun mit einer Eingabe an den Fürsten gewendet-, worin sie ansuchen: