Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 240)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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196 ms Leben. Aeußerlich vernachlässigen sie ihre Häuser nnd ihre Kleidung, in ihrem Innern ist beides nett und geschmackvoll. Sie halten sich streng an die genaue Befolgung ihrer Glaubensgebote und sind in der Erfüllung ihrer Verträge ehrlich und gewissenhaft. Vor allen andern orientalischen Frauen zeichnen sich die jüdischen durch ihre eheliche Treue ans- Religiosität und Nationalstolz schützen sie vor Verirrungen. Die egyptischen Juden treiben häufig Bank- und Geldverleihungsgeschäfte, Handel nnd Handwerke. Aus Tunis vernehmen wir, daß Dr. Abraham Nunes Vris, erster Leibarzt des Bey, zum Großoffizier des Jftiharordens und zum Protomedicus ernannt wurde. Ein anderer Jude, Dr. Benjamin Boccaro aus Livorno, wurde an dessen Stelle als Leibarzt berufen. Im Gesammtgebiete der türkischen Botmäßigkeit ist die Stellung der Juden durch den Hat-Humayum vortt 18. Februar 1856 eine höchst befriedigende geworden. Der Sultan ist in den damit eingeführten Reformen über die an ihn gestellten Ansprüche hinausgegangen, indem er die zugestandenen Begünstigungen nicht auf die Christen beschränkte, sondern auf die Juden und überhaupt auf alle nichtmuselmännische Bevölkerungen in seinem Reiche ausdehnte. Der Ankauf von Grundstücken, so wie der Wiederverkauf und die Verwaltung derselben, die Zulassung zu allen Aemtern und Militärstellen und zu allen Civil- und Militärschulen sind auch für die Juden ausdrücklich decretirt. Der jüdische Cultus wird geschützt und die Rabbiner nehmen eine anerkannte Stellung ein. Diesen! glücklichen Ereignisse — das nach den eingeleiteten Verhandlungen nicht vorauszusehen war — kam eine Adresse an den Kaiser Napoleon von dem allzeit bereiten Vorkämpfer Dr. Philipson zu Magdeburg entgegen. Das darin gestellte Gesuch ging eben dahin, m den Bestimmungen des Congreffes über die Rechte der Najahs in der Türkei keine Unterscheidung eintreten zu lassen, sondern auch die Juden einzubegreifen. Der Empfang der Adresse ward sofort aus dem kaiserlichen Cabinet bestätigt.