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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 181

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 181 (sequence 225)
Language
German
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181 behrlichen Gürtel von schwarzem Krepp wird im Triumph von zehn Händen aus dem Wagen gehoben und unterBegleitung einer lärmenden Musik zur wartenden Braut geführt, um den Schleier über ihr Gesicht zu werfen, bevor der feierliche Act celebrirt wird. Der Bräutigam hat noch nie seine Braut gesehen. Er war wenige Tage, sie wenige Monate alt, als ihre Eltern, auf Geheiß eines wunderthätigen gut accreditirten Rabbis die Verbindung unter einander schlossen. Beide Familien hatten nämlich Unglück mit Kindern und so empfahl der göttliche Mann die Verlobung der Kinder im ersten Alter als Präservativmittel gegen das Verhängniß. Bei Verlust eines gewissen Geldbetrages wurde vertragsmäßig stipulirt, unabhängig von jedem Ereignisse vierzehn Jahre de dato die Hochzeit ihrer Kinder auf halbem Wege zwischen beiden Wohnorten, nämlich in der Herberge amWege zu begehen. Geschmack, Richtung,Willen undCharacter der jungen Leute sind nicht in Rechnung gebracht worden. Es ist ein Geschäft, wie es oft der russischsGrundeigner macht, wenn er das keimende Getreide auf dem Felde, der: kaum erblühenden Wein auf dem Stocke oder die Wolle der noch ungebornen Schafe verkauft, wenn sie guten Gewinn bringen oder wenn die Noth dazu treibt. Ueberladen von Schmuck und Putz, den Leib eingezwängt in einem brocatnen Kleide, auf dem Kopfe die schwereBinde, sitzt auf dem Brautstuhl von einem Schwarm thränender Frauen, die ob der Weihe des Momentes ganz Ln Gefühl zerrinnen, umschaart, ein junges Mädchen, das Auge leer, den Blick gesenkt, den Kopf gebeugt, Scham und Dummheit im Gesichte. Als ob schon das Alter an ihrem Mark gerüttelt, als ob ihre Jugend von frühem Winter betroffen und alles Leben zu Frost erstarrt worden wäre, sitzt das kaum fünfzehnjährige Kind, vertrocknet, welk, scheu, das Allssehen fahl und matt, das Auge ohne Feuer, die Adern ohne Blut, die Muskeln ohne Kraft, die Haut ohne Farbe mib die Stirne wie ein schmaler Fußsteig zwischen dem öden Gesichte und dem spärlich bewachsenen

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