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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 132

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 132 (sequence 176)
Language
German
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132 Gumpertz (geboren in Berlin 1725) zählte zu den Wenigen, die ohne Anweisung, ohne Aufmunterung den damaligen einseitigen, schleichenden Bildungsgang der deutschen Juden durch ein redliches Streben, durch Energie und Wahrheitsliebe, wenn auch nicht durch glänzende Talente, überholt haben. Das einzige erlaubte Mittel zur Selbstbelehrung in jener finsteren Zeit war die von den Zeloten halbwegs tolerirte hebräische philosophische Literatur. Berlin war damals von einem dichten Schleier der Unwissenheit und der mit dieser oft unzertrennlichen Unduldsamkeit umzogen. Unerklärlich wäre dieser Gegensatz zu der seit dem Antritte der Regierung Friedrichs II. allgemein verbreiteten Aufklärung, wenn nicht die oberflächliche, den Franzosen nachgeahmte Richtung diese Reaction oder richtiger Jgnorirung von Seiten der nichts weniger als oberflächlichen Juden begreiflich machte. Wie es damals in der Berliner Judengemeinde aussah, erfahren wir von einem Zeitgenossen, der das Glück hatte, die Neugestaltung unserer geistigen und bürgerlichen Verhältnisse zu erleben und gleichsam mit einem Januskopf seine Anschauungen unserer vormaligen und gegenwärtigen Stellung auszufassen. »Auch unter die Juden,« sagt dieser bereits verschollene Berichterstatter, »drang in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts ein Lichtschimmer; es waren unter ihnen mehre Vermögende, die anfingen zu ahnen, daß die frühere Denk- und Erziehungsweise der Juden sie in tiefer Unwissenheit gelassen habe, und daß es ihre Pflicht sei, sich oder doch wenigstens ihre Kinder zum Lichte zu führen. Wennin einigen jüdischen Familien ein solcher Wunsch sich regte, so war die Partei der Strengorthodoren dadurch aufgeschreckt. Wissen und Ketzerei war ihnen gleichbedeutend. Die Religion sollte — wie man es oft versucht — von der Unwissenheit beschützt werden. Die Rabbiner predigten gegen dieseNeuerer, wie man sie nannte, die sogar die deutsche Sprache gründlich lernen und sich

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