Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 162)
- Language
- German
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118 Am meisten gibt es im Militär Juden aus Galizien,. Ungarn, Böhmen und Mähren, aus den übrigen Provinzen entweder nur sehr wenige oder theilweise auch kerne. Trotzdem gibt es im österreichischen Heere beinahe keine Abtheilung, in der nicht Israeliten sind. Freiwillige kommen meistens aus Ungarn, wenige aus Böhmen^ während die größte Unlust zum Dienen der galizische Israelit zeigt, welch' letzterer im Assentirungsfalle auch alles Mögliche aufbietet, um nur bald wieder beurlaubt nach Hause gehen zu können. Jedoch gibt es auch unter diesen sehr ehrenwerthe Ausnahmen. Zur Taufe gehen, wenn auch nur selten, doch meist Ungarn, selten ein Böhme, höchstens dann, wenn er Officier geworden oder solches in Aussicht hat, nie aber ein Mährer oder ein Galizier, besonders weiß man wenige Beispiele, daß ein solcher seinen Glauben verlassen hätte. Wegen gemeiner Vergehen werden meist Galizier gestraft, da diese stets mehr Kaufleute als Soldaten sein wollen. Dagegen Meuterei, Insubordination in höherem Grade, Diebstähle oder sonst größere Verbrechen läßt sich selten ein Jude zu Schulden kommen. Es ist daher ein höchst seltener Fall, einen Israeliten in den Strafcompagnien zu treffen. Am meisten geachtet sind die Israeliten aus Ungarn, die im Durchschnitte wenn auch nicht sehr gebildet, doch wohlerzogen sind, daher auch die meisten Officiere ungarischer Nationalität sind. Das Gleiche und beinahe mitunter noch mehr ist dies bei den Böhmen und auch theilweise bei den Mährern der Falt, besonders unter den erstern befinden sich einige äußerst intelligente Männer; — dagegen ist der Galizier mit nur wenigen Ausnahmen gemieden, weil er in seiner Kleidung nicht nett ist, keinen rechten Willen zum Militärstand zeigt, und dabei eine erbärmlich schlechte Sprache spricht, zum Spott der ganzen Mannschaft, ein tiefes Weh für seine übrigen mit ihm dienenden Glaubensgenossen.