Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 160)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2609281-2609286--3019-2610363- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
116 Zn keinem Stande, ausgenommen dem der Gelehrten,, bringt es der Jsraelite zu größerer Achtung und zu größerem Ansehen. Nirgends hat er mehr Gelegenheit und Freiheit, unbehindert seine Religion auszuüben, als im Militär; an den hohen Feiertagen ist ihm zu jeder Zeit der Tempelbesuch gestattet, während er zu Zeiten der Osterfeier die ganzen acht Tage zur Ausübung seines Festes von allen Diensten frei belassen wird. Freilich steht ihm Niemand nach, ob er wirklich behufs Verrichtung seiner Andacht in den Tempel gegangen, wie es wahrscheinlich zu Hause der Fall war; wer aber zu Hause aus freiem Antriebe zur Schule ging, wird es auch hier nicht unterlassen, während der Heuchler vom Hause es hier um so mehr sein wird. Ferner ist jede Beschimpfung oder Verhöhnung irgend eines Glaubens äußerst streng verboten, und wird jeder etwa vorkommende Fall streng geahndet. Keine Art von Beförderung ist ihm versperrt, sobald er Talente und Fähigkeiten besitzt, hat er es bald zum Officier gebracht. Dem Militärbleibt aberauch nach vollendeterDienstzeit, nach Verhältnis seiner Geistessähigkeiten, jeder Staatsdienst offen, den er dann unbeschadet seiner Religion, auf seine dem Staate bis jetzt geleisteten Militärdienste sich stützend, beanspruchen kann. Wählt er jedoch diesen Weg nicht, so geht er, rm ärgsten Falle, 25—26 Jahre alt nach Hause, hat Vieles gesehen und erfahren, Manches gelernt, das ihm nunmehr zu Nutzen kommt, wurde überhaupt zum ordentlichen Menschen herangebildet, und tritt auch überall, bei jeder Gelegenheit, mit mehr Muth auf, mit dem vollen Bewußtsein, durch seine Dienstzeit im Militär jedem andern Staatsbürger in allen Rechten gleich zu sein. Uebrigens geht nur ein kleiner Theil jener Individuen, die es bereits zum Feldwebel gebracht, wieder nach Hause, da nur wenige, höchstens jene ausgenommen, die etwa Ver-