Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 155)
- Language
- German
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111 Anregung des Kreisrabbiners M. Liebmann eine Synagoge im würdigen Bauüyle — die erste im Barscher Comitate — und eine Gemeindeschule errichtet. Die. Raaber Gemeinde hat seit 1854 eine vierclasstge Normalschule, welche vielfache Unterstützung findet. Die Thuroczer Gemeinde ist im Begriff, in den zwei Ortschaften Szutsnn und Sz. Marion geregelte Schulen zu errichten; der Mangel an guten Lehrern hat bisher die Ausführung verhindert. Aus Stein am Anger erhalten wir folgenden interessanten Bericht: »In unserm Comitate sind gegenwärtig fünf israelitische Schulen im Bestände, über deren heilsames Wirken die betreffenden Herren k. k. Beamten sich oft sehr lobend aussprachen. Es ist sehr befriedigend zu sehen, wie mancher Familienvater, den die Last seines Pinkels die ganze Woche beinahe zu Boden drückt, dessen ausgehöhlter Magen von Sonntag bis Freitag sich mit vertrocknetem Brote begnügt, es ist, sage ich, herzerquickend zu sehen, wie die meisten dieser Väter mit wonnigem Gefühle das im Schweiße verdiente Schulgeld am Schluffe jeder Woche für ihre oft zahlreichen Kinder niederlegen. Es ist die Lebensaufgabe eines Juden, sein Kind wenigstens bis zu dessen dreizehntem Lebensjahre lernen zu lassen (natürlich wechselt dies mit der individuellen Lage des Vaters), und sein Vergnügen an Ruhetagen besteht darin, daß ihn das Kind mit seinen Fortschritten in der Schule bekannt macht, und glückt es dem Vater, daß sein Kind zu den hervorragenden Talenten gezählt wird, so vergißt er alle Noth, allen Mangel, alle Tücken des unerbittlichen Schicksals, er fühlt sich reich; dies ist seine Krone, seine Zierde, ja sein ganzes Leben. Die Gemeinde zu Stein am Anger, an deren Spitze Herr Mar Salomon als weltlicher Vorstand und Herr Ludwig Königsberger als Rabbiner in ausgezeichneter Weise wirken, ist eben im Begriff ein jüdisches Spital zu errichten. Der im Jahre 1848 durch die Wuth demolirte Tempel ist