Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 137)
- Language
- German
- Belongs to
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93 Cholcraperivde einen großen Ehrenpocal erhalten, den die Gemeinde durch freiwillige Beiträge bestritten hat. Wir können unsere Necrologie ausgezeichneter jüdischer Aerzte nicht würdiger als mit Dr. Samuele Medoro zu Padua schüeßen, wenngleich sein Sterbejahr schon in das Jahr 1854. fällt. Professor della Torre widmet ihm (im Educatoreisraelit.) einen Artikel mit der Ueberschrift: »Das Mnster eines jüdischen Arztes.« Ausgezeichnet als Operateur ward er von allen Seiten um Rath und Hilfe angegangen. Auch war er der Erste in Italien, welcher eine gewisse sehr schwierige Operation vollbrachte. Bei seiner erstaunlichen Befähigung, seine Geistesgaben Andern mitzutheilen, ist es sehr zu bedauern, daß sein treu gehaltenes Glaubensbekenntniß ihn von der Anstellung als Universitäslehrer ausschloß. Aber seine Wohnung war eine wahre Schule, ein stets offener Hörsaal für Jeden, der sich in der Medicin und Chirurgie vervollkommnen wollte. Er unterstützte aus eigenen Mitteln die Armen, die er behandelte. Sein ganzes Handeln war durch und durch religiös. In seinem Testamente ermahnte er seine Kinder, jeden Vorschlag des Abfalls zurückzuweisen, und sich in keiner Zeit durch gemeinen Eigennutz noch durch Versprechungen von Ehren und Auszeichnung verführen zu lassen. Wenden wir uns nun von den Todten zu den Lebenden. Ein schönes Beispiel geachteter Wirksamkeit eines jüdischen Arztes haben wir an Dr. Groß in Großwardein vorzuführen. In den meisten Kreisen durch seine wissenschaftliche Bildung und Praris bekannt, hat er sich im vorigen Jahre bei dem heftigen Auftreten der Cholera und der Errichtung eines zweiten Aushilfsspitales neue Verdienste um die leidende Menschheit errungen. Bei dem jüngsten Eisenbahnunglücke zwischen Szobb und Nana in Ungarn war es Dr. Folkmann, früher Militärarzt, d. Z. in Wien domicillrend, welcher den zahlreichen Verwundeten hilfreicher Retter war.