Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
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59 Handwerk unter den Juden. Eine Skizze. Bon G. Mols. Es ist noch nicht lange her, daß man bei der Behandlung dieses Gegenstandes die humanistische Seite mehr im Auge hatte, als die wissenschaftliche. Damals galt es dafür zu kämpfen, daß es dem Juden gegönnt sei, ein Schurzfell zu tragen, Hammer und Kelle zu schwingen und in Gemeinschaft mit einem Gevatter Schuhmacher »den verderbten Wandel der Menschen zu verbessern.« — Die Zeiten sind vorüber. Wir wollen nicht die dahingeschiedenen Schatten aus ihren Gräbern wecken. Vielleicht wird es den kommenden Geschlechtern als Sage klingen, daß es einst einen Kampf kostete, wenn ein Jude als Handwerker leben wollte. Immerhin! wir wünschen, daß bald die Zeit komme, wo ein Streit, in wie ferne cvnfeffionell - religiöse Ansichten überhaupt ein Vorrecht aus bürgerlichem Gebiete geben, zu den Mythen gehöre. Wir haben hier blos den Zweck, in kurzen Umrissen anzugeben, wie das Handwerk bei den Juden betrachtet und geübt wurde. Wir machen keinen Anspruch auf Vollständigkeit dieser Skizze 3 wir müßten sonst weit die uns gesteckten Grenzen überschreiten. Beginnen wir mit der ältesten Quelle, die uns in jüdischer Beziehung zu Gebote steht, mit derBibel. Auf den tu sten Blättern der heil. Schrift finden wir bereits einen Handwerker genannt, es war ein Nachkomme Kains, Tubal-Kain. »Er schmiedete und schärfte allerlei Werkzeuge aus Erz und Eisen.« *) Es ist auch ganz natürlich, daß das eigentliche *) Die heil. Schrift fügt hinzu: »Die Schwester des Tubal- Kain war Naama« (die Anmuthige, die Schöne); bekanntlich wird auch in der römischen und griechischen Mythologie ein AehnlicheS angegeben. Venus ist die