Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 59)
- Language
- German
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15 Vermittlung des türkischen Hofes den Herzog zu bewegen, dem Betrüger den Schutz zu entziehen und zu gestatten, daß der Proceß bei dem Gerichte in Ferrara anhängig gemacht werden dürfe (1560). Bei dieser Gelegenheit zeigte sich Donna Gracia's tiefe Religiosität. In dieser Zeit war noch die talmudische Bestimmung bindend, daß die Juden ihre Proceffe nur einem jüdischen Gerichtshöfe überweisen sollten, und da Don Abraham sich darauf berufen und die Schlichtung des Streites einem rabbinischen Collegium überweisen wollte, wobei er mit seinen Kniffen besser durchzudringen vermeinte, wendete sich Donna Gracia an den Rabbinen Josua Zunzin mit der Anfrage, ob sie sich der religiösen Bestimmung fügen müßte, oder ob sie sich an ein weltliches Gericht halten dürfe, da sie sowohl wie ihr Schuldner zur Zeit des Darlehens noch Christen waren. Zunzin entschied, daß sie nicht gehalten sei, den Proceß durch ein rabbinisches Gericht schlichten zu lassen. 33) Indessen stieg Don Joseph in der Gunst des Sultan Soliman und des Prinzen immer höher unb erlangte Begünstigungen, die seine innigsten Wünsche zu befriedigen geeignet waren. Soliman schenkte ihm eine Stadt mit dem dazu gehörigen Gebiete zu Lehen und zwa, die Stadt Liberias in Palästina mit darangrenzenden sieben Dörfern. Liberias lag aber seit einiger Zeit verödet, entweder durch Erdbeben oder in Folge der noch größeren Zerstörungswuth der Mongolen unter Tamerlan, welche im Jahre 1400 in Palästina übel gehaust hatten. Die Stadt mußte also erst aus den Trümmern wieder erbaut werden. Seltsames Spiel geschichtlicher Verkettung! Im vierten Jahrhundert wurde Liberias von einem christlichen Kaiser (Constantin) einem vom Judenthume abgefallenen Christen mit Namen Joseph zum Wiederaufbau überwiesen, und dieser erbaute in dieser Stadt die ersten christlichen Kirchen. Nach zwölf Jahrhunderten wurde dieselbe Stadt von einem mohamedanischen Kaiser einem vom Chnsteuthume abgefallenen Juden desselben Namens eingeräumt, der