Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 13 (sequence 57)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2609281-2609286--2916-2610260
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

13 zu schaffen. Von Constantinopel begab er sich (1556—57) nach Kuthahije in Kleinasien an den Hof des Prinzen Selim, des ältesten Sohnes des Sultan Soliman des Großen, vor dem damals ganz Europa zitterte. Mit der Liebenswürdigkeit, mit welcher er die niederländischen Großen und die Statthalterin Maria für sich einzunehmen gewußt, fesselte er auch den Prinzen Selim an sich, der, sonst kein starker Geist, heitere Gesellschaft und den Cyperwein nicht verschmähte. Der Hof zu Kuthahije war damals ein Herd von weitverzweigten Cabalen. Da intnguirte Selim gegen seinen jüngeren Bruder Bajaüd (oder Bajazet), welcher von seinem Vater mit Hintansetzung des älteren zum Thronfolger bestimmt war. Da intriguirte Solimans Günstling Mustafa gegen den Großvesir Rustem Pascha. An diesem Herde fand Don Joseph einen weiten Spielraum für seine Gewandtheit. (§r unterstützte mit seinem Rathschlage und seinem Gelde die Pläne derer, welche den gefürchteten Prinzen Bajasid aus des Vaters Gunst und von der Thronfolge zu verdrängen sich bemühten und trug das Seinige dazu bei, daß derselbe nach Persien fliehen mußte, wo er verfolgt und mit seinen vier Söhnen später hingerichtet wurde. Don Joseph stieg mit jedem Tage in Selims Gunst, er wurde sein täglicher Gesellschafter und erhielt von ihm den Titel Mnteferrika (Edelmann des prinzlichen Hauses) mit dem Gehalte von einem Ducaten oder fünfundfünszig Aspern täglich. 81) Wie hoch er auch in Solimans Gunst stand, bewies die Verwendung des grvßherrlichen Hofes für ihn gegen die Ungerechtigkeit eines italienischen Fürsten. Sein Bruder, Don Mose, war, wie schon erwähnt, in Ferrara geblieben, um die von Don Joseph eingeleiteten Geschäfte weiter zu führen oder abzuwickeln. Er fand sich aber veranlaßt, sich mit den Seinigen in Constantinopel zu vereinigen und wollte Ferrara verlassen. Dagegen erhob der Herzog von Ferrara Ercole II., gewissenlos wie die meisten italienischen Fürsten jener Zeit, despotischen Widerspruch.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.