Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 54)
- Language
- German
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10 Juden nach dem Ghetto, befahl, daß sie eine auszeichnende Tracht anlegen sollten, das männliche Geschlecht grüne Kopfbedeckung, das weibliche grüne Schleier, und hätte beinahe sämmtliche jüdische Häuser in Rom in Flammen aufgeben lassen, wenn nicht der staatskluge Cardinal Farnese den Befehl vereitelt hätte. Am schwersten traf aber sein Fanatismus die portugiesischen Flüchtlinge, welche in der blühenden Handelsstadt Ancona eine Freistätte gefunden hatten. Er ließ sie plötzlich überfallen, viele derselben hinrichten oder auf die Galeeren schicken und ihr Hab und Gut confiscireu. 25) Diejenigen, welche sich durch die Flucht gerettet hatten, ließen sich in Pesaro nieder, indem der Herzog von Urbino, Guido Baldo, der mit dem Papste zerfallen war, sie in der Hoffnung aufnahnl, den levantischen Handel von Ancona nach Pesaro zu ziehen. Die Nachricht von der blutigen Verfolgung gegen die zu ihrem Glauben zurückgekehrten Marannen erfüllte die Juden im türkischen Reiche mit dem herbsten Schmerze. Sie waren auch materiell dabei getroffen, denn viele derselben hatten ihre Factoreien in Ancona. Bei dieser Gelegenheit entfalteten Don Joseph und Donna Gracia eine energische Thätigkeit, den in Pesaro geflüchteten Juden Sicherheit des Lebens zu verschaffen und die Wiederholung solcher Verfolgungen abzuwenden. Die anconensischen Juden in Pesaro hatten dem Herzoge zugestchert, sie würden es dahin bringen, daß der levantische Handel der portugiesischen Juden seine Stadt zum Stapelplatz nehmen wurde, und thaten Schritte, in Constantinopel einen Beschluß der Rabbinen durchzusetzen, welcher gewissermaßen den Papst in den Bann legen sollte. Der Beschluß sollte allen levantisch jüdischen Kaufleuten, die mit Europa in Handelsverbindung standen, zur Pflicht machen, ihre Schiffe mit Maaren, statt nach Ancona, von jetzt an nach Pesaro zu senden. Es sollte dieses zugleich eine Rachenahme an dem Papste und ein Schutzmittel für die jüdischen Flüchtlinge in Pesaro sein, denen der Herzog gedroht hatte, sie an den