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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 2

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 2 (sequence 46)
Language
German
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IRI
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Würdigkeit die Statthalterin der spanischen Niederlande bezaubert, der sich in ein schönes Mädchen, eine reiche Erbin verliebt, sie entführt hat, mit ihr zum Jndenthume übergetreten und Günstling dreier Sultane geworden ist, der sich zum Herzog aufgeschwungen hat und nahe daran war, - König zu werden, und der bei all dem ein warmes Herz für Juden und Judenthum bewahrt hat. Dieser Held hat zu seiner Zeit viel von sich reden gemacht, hatte ebenso viel Neider wie Verehrer, wurde von seinen Freunden in den Himmel gehoben und von seinen Feinden mit Koth beworfen. Die durchlauchtigste Republik Venedig haßte ihn, die katholische Majestät Philipp II. von Spanien haßte ihn, der Kaiser des heiligen römischen Reiches schmeichelte ihm, weil er ihn fürchtete, die Könige von Frankreich waren seine Schuldner. Ein Sultan betrachtete ihn als den Kopf, der für ihn dachte und für ihn Pläne entwarf, und seine Stammesgenoffen sahen in diesem Helden ihren Helfer in der Noth, den Gegenstand ihres Stolzes, das Ideal ihres Ruhmes. Doch es ist Zeit, unseren Helden beim Namen zu nennen und ihn auftreten zu lassen. Juan Miquez, aus der Familie Naßi *), war in Spanien und Portugal geboren (um 1515). Seinen Vaterhatte die grausige Judenverfolgung derpyrenäischen Halbinsel am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts gezwungen, sich äußerlich zum Christenthume zu bekennen. Er gehörte zu jenen zahlreichen Marannen (Anussim), die in dem Zwiespalt zwischen äußerem Bekenntnisse und innererUeberzeugung, zwischen der Furcht vor dem Blutgericht der Inquisition und der Sehnsucht, dem Judenthum mit ganzer Seele anzugehören, Höllenpein gelitten, aber sich zu gestählten Charakteren ausgebildet haben. Juan Miquez's Vater scheint Ln der jüdischen Literatur eingelesen gewesen zu sein, hatte aber eine barocke Ansicht von der Seelenwanderung, die ihm zugleich eine Art Theodicee war. Er glaubte nämlich, die Seele werde mehrmals geboren, und wenn sie in einem Leibesleben gesündigt, in einem andern

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