Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 282)
- Language
- German
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279 die bekannte Antwort zu geben. Die behäbige Frau fühlte sich unruhig und gepeinigt, wie nie in ihrem Leben. Dazu kam die Verdrießlichkeit Rebb Ascher's, der die Abwesenheit Bärele's sehr schwer empfand. »Gerad' am Cholemoed hast Du ihn wegschicken müssen?« sagte er wiederholt, »zu einer andern Zeit hätt' es gar nicht sein können? Ter ärmste Schnorrer unterhält sich am Cholemoed, ja selbst Kinder spielen ihr »Hammer und Glock'«, nur ich allein muß da sitzen wie ein verlassen Waisenkind und kann nicht einmal meinen »Franzefuß« haben. Ist das erhört?« »Erst muß man ein Mensch sein,« sagte Hindel gereizt, »und hernach kann man Franzefuß spielen.« »Geht das auf mich?« fragte Rebb Ascher kleinlaut. »Nein, das geht auf Einen, der nicht hier ist,« gab sie zur Antwort. Bärele ließ übrigens lange auf sich warten. Der Vorabend der letzten Feiertage war gekommen, durch die Gasse zog bereits der festliche Duft, in manchen Häusern entzündeten sich schon die Lichter — aber Bärele blieb aus. In Hindels Gemüth, wie starr und stark es sich auch gegen die Außenwelt zeigen mochte, begannen schwere Sorgen aufzusteigen. Zu der Furcht, ihr Sohn könne in den heiligen »Jontef« hineinfahren, gesellte sich eine andere, was ihn wohl verhindert haben könnte, zur bestimmten Zeit zu kommen. Mit einem Male erschollen sogar die drei Schläge des Schuldieners an der Thüre, das Zeichen, daß der abendliche Gottesdienst beginnen würde. Da rüstete sich auch Rebb Ascher zum Fortgehen. »Wart'st Du denn nicht?« ries sie ihm nach, als er schon auf der Stiege war. »Auf wen denn?« fragte er, ohne sich nmzudrehen. »Ans Bärele!« schrie sie. »Du hast ihn ja fortgeschickt,« meinte er achselzuckend, »folglich mußt Du auch wissen, wann er kommen wird.« Hindel empfand diesen »Stich« bitter; aber es fehlte