Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 281)
- Language
- German
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278 außer dem » ungezählten Gelbe auch noch einen ganzen Reisekoffer ebenfalls ungezählter Rathschläge mit aus den Weg gab, wie er sich mit den Prager Kaufleuten zu benehmen habe, von denen jeder, besonders aber die Frauen,, einen eisernen Kopf auf sich habe, wie er sich durch ihr Schmeicheln und Zureden nicht solle berücken lassen; das sei so ihre Art, besonders wenn sie wußten, daß der Kunde vom »Lande« sei. In den Wirthshäusern, wo er übernachte,, solle er das Geld jedesmal unter sein Kopfkissen legen, und ja nicht vergessen, das Licht auszulöschen und die Thüre zu verriegeln. Bärele war wahrscheinlich schon an »Benatek«, einem an der Prager Straße gelegenen Städtchen, vorüber, als sich Hindel noch erinnerte, sie habe vergessen, ihm ein »Tracteurhaus« anzuempfehlen, das sie aus ihrer Jugend noch kannte; dorthin möge er gehen und den Tracteur und die Tracteurin, wenn sie noch lebten, von ihr grüßen. Aber es war schon zu spät. Uebrigens konnte Hindel kaum den Tag erwarten, der ihren Bärele ihr wieder zurückbringen sollte. Zu der Sorge um den Abwesenden, der zum ersten Male sich den Gefahren in einer großen Stadt aussetzte, kam noch ein gewisses dunkles Gefühl, das sich im Lause der wenigen Tage immer mehr und mehr klärte. Der plötzliche Entschluß ihres Sohnes, ein »Geschäft« anzufangen, die ganze Art und Weise, wie er ihr dies angekündigt, drängte sich ihrem Nachdenken immer stärker auf. So viel sah sie klar: der Zinstag der 'Nähterin und die Lection, die sie ihm ertheilt hatte, standen damit in Verbindung. Dennoch war es ihr eigen zu Muth, wenn sie überlegte, daß Bärele, bei dem Gefühlswallungen nie die starke Seite waren, eben durch diese Vorwürfe dazu bestimmt sein sollte. Sie, die jedes Aederchen in ihrem Sohne zu kennen glaubte, zweifelte selbst, ob sie den Eindruck auf sein Gemüth hervorgebracht. Natürlich war sie in diesem Zustande nicht geeignet, a uf die öftere Frage ihres Mannes: »Wollen wir, Hindel?«