Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 262)
- Language
- German
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259 immer haben, und Einer, der sich feine Stub' mit Zwanzigern pflastern kann, wenn er will, wird sich doch nicht geniren ein Franzesuß, so ein unschuldiges Spiel zu spielen?« Was Bärele selbst betras, so sagte er zu solchen Aeußerungen gar nichts; man will nur bemerkt haben, daß er an solchen Tagen gerade sich nichts abgewinnen ließ, und daß Rebb Ascher sehr aufmerksam sein mußte, wenn er ihm beikommen wollte. — Es war merkwürdig, aber eigentlich kann es Niemand wundern, wieso Bärele bei einer solchen Erziehung groß und stark werden konnte. Bärele war vierundzwanzig Jahre alt geworden, aber er sah wenigstens um sechs Jahre jünger aus, so gut war ihm die süße Gewohnheit seines ®flfeiuy bekommen. Es gab in der ganzen Gasse keinen so starken uild hochaufgeschossenen Jungen, als ihn. Dabei ließ sich ihm nichts Böses nachsageu; er war sehr gutmüthig, beleidigte Niemanden vorsätzlich, und da er selten unter die Leute kam, war er auch scheu wie ein junges Mädchen. Er konnte auch merkwürdiger Weise keinem jungen Mädchen in die Augen sehen, vielleicht weil ihm die »Königin« des Franzefußes zu sehr darin saß. — Das änderte sich freilich Alles eines Tages wie mit der Schnelligkeit des Blitzes. Tief in dem versteckteil Winkel, der zwischen der »Schul« und dem »Gemeindehaus« eingekeilt ist, stand ein altes Häuschen, das Rebb Ascher gehörte. Halb aus Barmherzigkeit ließ er dort eine arme Witwe mit ihrer Tochter zur Miethe wohnen. Haunele, so hieß die Witwe, war ein »frvmmesWeib;« sie ging mit den Sterbenden beten, wusch die Todten, und wenn Jemand zur »Jahrzeit« auf den guten Ort ging, begleitete sie ihn, und verdiente auf diese Weise »ihr Leben.« Ihre Tochter Lisi nahte für dre Leute. Aber an jednn Cholemoed, wenn Rebb Ascher noch beim Frühstück saß, und noch nicht einmal die erste Meerschaumpfeife gestopft hatte, kam die »Nähterin,« und brachte pünktlich, in ein reines Papier gehüllt, die acht Gulden für die Miethe, die 17 *