Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 253)
- Language
- German
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250 es niemand angesehen hatte, daß sich darin das größte Wunder der ganzen Gemeinde aufhielt. Dieses Wunder waren drei Leute: Rebb Ascher Spitz, dessen Ehefrau Hinbcl und das Sohnlein Beider, das wir kurzweg »Bär« nenuen wollen. Alle Drei haben das merkwürdige Glück gehabft jedes in seiner Art sich so lebhaft in das Gedächtniß ihrer Zeitgenossen eiuzuprägen, daß nichts im Stande ist, sie daraus zu verdrängen. Zn der That haben auch alle Drei, jedes in seiner Art, etwas Apartes gehabt, was man in der Gaffe mit dem kurzbedeutsamen Worte »Stuß« bezeichnet. Nehmen wir, weil es sich überall schickt, auf Rang und Altersklasse gehörig Bedacht zu nehmen, zuerst Rebb Ascher Spitz vor, so war das ein Mann, dem sich sonst gar nichts Uebles nachsagen ließ, weder im Guten noch im Bösen. Man schrieb ihm einen fabelhaften Reichthum zu; auch hatte er bereits zum fünften Male die Stelle eines Gemeindevorstehers bekleidet. Er warein stiller, schweigsamer Mann, dessen Tagesgeschäft darin bestand, eine Meerschaumpfeift nach der andern zu stopfen und dazu mit seiner Hindel oder seinem »Bärele« einen Franzefuß zll spielen. Zu größeren Anstrengungen vermochte sich Rebb Ascher nicht anfzuraffem Es war ihm genug, wenn ihm früh Morgens nach dein »Oren und Anbeißen« auf die Frage: »Hindel, wollen wir?" die ergänzende Antwort: »Ja, Ascher, wir wollen« entgegentönte. Nach dem Mittagsessen war es nur eine, natürliche Folge, daß die nämliche Frage eine gleiche Antwort finden mußte) und auch Abends, wenn die Lichter angezündet wurden und Ruhe sich herabsenkte aus die ermattete Gaffe, -— wer kann sich da wundern, daß Rebb Ascher selbst müde und erschöpft von den Mühen des Tages wieder einen jener Blicke nach seiner Frau warf, den nur sie verstand und der in Worte übersetzt: »Hindel, wollen wir?« lautete, und daß Handel darauf mit klarer Stimme die Antwort gab: »Ja, Ascher, wir wollen.« Hindel gehörte übrigens zu jenen Krauen, denen man auf den critcit Blick das »Gutleben« ansieht. Groß und