Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 243)
- Language
- German
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240 fertigen, als sie bereits ein Jahr früher einen Sohn desselben Hauses »abgestellt« hatte. Doch müssen wir hmzufügen, daß die Gemeinde die übereilte Handlung später wieder gut zu machen suchte, indem sie Pollak 300 fl. zusendete, um sich loskaufen zu können. Er übergab das Geld seinem Herrn in Dörfel, der nach einigen Wochen Concurs ansagte; so daß die Möglichkeit, sich loszukausen, wenn sie auch in seinem Sinne gewesen wäre, verschwunden war. Im Jahre 1841 rückt Pollak mit einem Transporte Ln Padua ein, wo der Regimentsstab lag. Aus dem Wege leistet er, da der den Transport führende Offizier nur der deutschen Sprache mächtig, der Zug aber aus Böhmen, Polen, Ungarn zusammengesetzt ist, als Dolmetsch vortreffliche Dienste und erheitert des Abends die müden Camera den mit heiterem Violinspiele. Es sollte ihm dieses nicht zum Verderben, aber auch nicht zum Heile werden! Der Oberst Schönhals wünscht, daß der Recrut Ln die Musikbande trete. Der kraftvolle Jüngling fühlt abelgrößere Lust den Säbel, als den Geigenbogen zu führen, mehr Sehnsucht beim Klange der kriegerischen Instrumente zu kämpfen, als zu den Thaten Anderer — aufzuspielen, und verweigert den Eintritt. Er fühlte sich hiezu noch mehr durch feinen Escadronschef ermuthigt, der ihm räth sich zu ihm zu melden und verspricht ihn schon in acht Tagen, seiner Sprachfähigkeiten wegen und da er des Schreibens vollkommen kundig und von stattlich energischer Erscheinung ist, zum Korporalen zu befördern. Nichts destoweniger bestimmte ihn sein tapferer, musikliebender Oberst zur Bande. Da er dennoch aus dem ihm zustehenden Rechte, als Krieger und nicht als Musikant zu dienen, besteht, läßt ihn der Oberst unwillig von der Bande frei, theilt ihn aber einer andern, als der.von ihm gewünschten Escadron zu. Pollak dient nun mit strengstem Pflichtgefühle, mit Eifer, mit Fleiß in der Schule und, wenn er auch als Bester