Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 242)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2609281-2609284--2752-2610095- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
239 treue während 2l/2 Jahren; ergreift aber, weil sich ihm keine Aussicht öffnet, nach dieser Zeit wieder den Wanderstab, den er nach Schlesien setzt. Hier lernt er zufällig einen Liqueurfabrikanten, Schönmeyer, kennen, von dem er — es mochte die Erinnerung aus seines Vaters Branntweinhause in ihm wach geworden sein — »Geist brennen« und Lrqueur fabriciren lernt. Nach längerer Lehrzeit tritt er, keine Wanderschaft mehr, aber eine Reise durch Schlesien, Mähren und Galizien an und richtet auf verschiedenen herrschaftlichen Besitzungen Rosogliofabriken ein, so unter andern in Altbrünn, Tyrnau, Teschen, Twaroschna, Tomasowitz, Friedeck, Wellohrad. Zuletzt begegnen wir ihm als Factotum beim Brauhausbesitzer Aron Tauß in Dörfel bei Ungarisch- Hradisch, wo er durch ein Jahr verweilt. Eines Nachts springt hier der Dampfkessel in der Branntweinbrennerei. Diese, sein Leben bedrohende Erplosion gibt demselben eine andere, unerwartete und wie hart sie beginnt und lange sich fortsetzt, eine glückliche Wendung. Pollak, kaum der Gefahr entgangen, spannt die Pferde vor einen Wagen und eilt noch in derselben Nacht nach Holleschau, wo der Kupferschmied rasch den Kessel wieder Herstellen soll, um in der Fabrikation nicht unterbrochen zlt sein. Als er nach wohlverrichteter Sache bei frühem Morgen zurückfahren will, wird der kräftige Jüngling von Bewaffneten festgenommen und, ehe er zur klaren Anschauung seiner Situation kommen kann, ist er beim k. k. 2. Dragoner- Regiment König Ludwig von Bayern assentirt und auf vier Wochen beurlaubt. Das kam so: Die jüdische Gemeinde von Holleschau hatte eine bestimmte Anzahl von Recruten zu stellen und als sie dieselbe nicht voll aufbringen konnte, benützte sie die zufällige Anwesenheit des jungen Mannes, dessen Vater »Familiant« von Holleschau, ein in früherer Zeit ergiebig beitragendes Mitglied und, verarmt, mittlerweile gestorben war. Diese Handlungsweise der Gemeinde war um so weniger zu recht-