Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 240)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-2609284--2750-2610093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Poffaft, ft. ft. Lieutenant. Wer sich mit theilnehmender Phantasie gerne in die Lebensschicksale von Menschen, die zu irgend einer Bedeutung in der Außenwelt gelangt sind, versenkt, wird nicht selten von dem Umstande überrascht: wie Manche zu einem Ziele gelangen, das nach den gegebenen Verhältnissen, unter denen sie erzogen und von denen sie umgeben waren, kaum voraussichtlich war, ja dem geradezu entgegengesetzt ist, wozu sie vorbestimmt schienen. Und da ist zu beobachten, wie oft selbst die widerspenstigsten Umstände und Hindernisse der Außenwelt und selbst der eigenen Persönlichkeit überwunden werden, um einen Lebenssieg zu erringen, zu dem die Waffen in Gemüth und Geist, wie in einem dem Besitzer selbst unbekannten Arsenale lagen, bis sie scheinbar der Zufall ans Licht brachte, schliff und zu einer glänzenden Lebenstrophäe werden ließ. Einen Beweis für diese Betrachtung liefert auch der Lebensgang des Mannes, den wir zu schildern hier unternehmen. Joachim Pollak ist der älteste von drei Geschwistern, welche seinen Eltern in dem Markte Jaischpitz bei Znaim in Mähren geboren wurden; woselbst sein Vater Branntwein- und Brauhauspächter war. Er erblickte das Licht der Welt am 19. Mai 1822 und wurde schon in seinem vierten Lebensjahre nach Proßnitz zu Reb Leb Melamed gebracht, um von ihm in der Bibel, im Commentar Raschis, und in deutscher Sprache, die böhmische brachte er vom elterlichen Hause mit, unterrichtet zu werden. Eine eigenthümliche Freude an Musik veranlaßt den Knaben zur Bitte, ihn im Violinspiel unterrichten zu lassen; die Eltern erfüllen sie und wir wer-