Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 223)
- Language
- German
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220 die Geistesgymnastik von ehemals nicht überall durch humanistische oder realistische Studien ersetzt wurde, und daß die leidige encyklopädische Richtung unserer Zeit weit mehr hohle, weit weniger gute Köpfe zum Vorschein kommen läßt, als es sein könnte und sollte. Das Feld des Wissens im Schweiße des Angesichts pflügen und bearbeiten; das ist kein Fluch, das ist ein Segen, der auch den heutigen Generationen nicht fehlen sollte. Ein Fluch ist aber seichte Vielwisserei, die dünkelhaft uitb aufgeblasen macht, und weder den inneren Werth zu begründen, noch eine haltbare äußere Stellung zu verleihen vermag. »Du sollst nicht leer vor dem Angesicht Gottes deines Herrn erscheinen: nicht mit leerer Hand, aber auch nicht mit leerem Kops und Herzen.« An den hohen Festtagen, für welche dieses Gebot erlassen wurde, wäre es zu spät die leeren Stellen erst ansfüllen zu wollen. Am Werkeltag muß für den Festtag rüstig vorgearbeitet werden. Eine leere Tafel nach der andern, sie harret der kräftigen Hand, die den Griffel führt, um sie zur Ehrentafel zu machen, eine jede leere Tafel bleibt aber eine — schwarze Tafel.