Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 212)
- Language
- German
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209 nur die Hand auszustrecken und er findet, wo nicht eine Taft!, doch ein Täfelchen, worauf er sein und seines Volkes Namen fleckenlos eintragen kann. Wo nur dieser Gedanke lebendig in Jedem wirkte, nicht nur der horror vacui, die Scheu vor dem Leeren, sondern die heilige Scheu vor dem Ehillul Haschern; es müßte die Hand, die sich noch gegen uns ausstreckt, längst erlahmt sein, und vollends verstummt wäre der Mund, der sich zur Anklage gegen uns erhebt. Wir gelangen nun zu enger umgrenzten Gebieten, als es Welt und Vaterland sind, in Ansehung derer wir unsere Wünsche näher zu bezeichnen, und für so manche leere Tafel das Was und Wie der Einzeichnung anzugeben vermögen. Nähmen wir einmal zur Abwechslung die Tafel in einem andern Wortsinne, so finden wir allerdings wie nirgends anders im Judenthume selbst einen völlig gedeckten Tisch, den sogenannten Schulchan Aruch. Aber ohne der Geltung dieses Tisches Allen, die ihn kennen und sich genall daran halten, im geringsten etwas vergeben zu wollen, fragen wir nur: haben wir nicht dagegen so manche tabula rasa, so manchen leeren Tisch, den unsere eigenen Voreltern nicht besser besetzt hätten? den — wir sagen es ungescheut vor dem Vorwurf einer Hinweisung aus das Ehukas Hagojim — nicht andere Genossenschaften als Gottestisch voll und erquicklich decken? Wie wir auch abweichen in Dogma und Lehre, unsere volle Verehrung nimmt es in Anspruch, wenn Männer und Frauen es sich zum heiligen Lebenszweck machen, mit tausend Liebesopftrn dasjenige den Armen im Geiste zu bringen, was sie selbst als das Beste erachten. Wohl wissen wir: ungleich dem Christenthume wie dem Islam lag es nicht im Geiste des Judenthums Propaganda zu machen, weder durch Ueberredung noch durch Gewalt. Es hat dies wohl auch den Hauptgrund der verhältnißmäßig llur geringen Ausbreitung des Judenthums ab- Iahrb. der Isr.