Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 149)
- Language
- German
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146 Die Wahrheiten, die es lehret, in ihrer vollen Bedeutung darzustellen, — die Satzungen, die es vorschreibt, zn gehöriger Würdigung zu bringen, — die geschichtlichen Thatsachen, die es offenbart, der Zukunft zu überliefern, dazu bedurfte es vor Allem schriftlicher Aufzeichnung. Diese innigste Verbindung der Literatur mit dem Mosaismus sehen wir bereits im Momente seines Entstehens. So werden ja in den uns überkommenen heiligen Schriften schon das »Buch Hajaschar« und »von den Kriegen des Herrn« als uralte Quellen genannt. Ein »Buch des Bundes« liest Moses dem Volke vor und dessen Inhalt bestimmt dasselbe zur sofortigen unweigerlichen Annahme der göttlichen Gebote (2 Mos. 24, 7.). Ein die Schicksale des Volkes in ihren Hauptumrissen zusammenfassendesLied (5. Mos. 32.) ward ausgezeichnet, das Buch der Lehre zur Seite der heiligen Bundeslade aufbewahrt (das. 31,26.), um den künftigen Geschlechtern als Zeugnisse der Vergangenheit zu dienen. In allen Phasen der israelitischen Geschichte finden wir von da an die literarische Entwickelnng mehr oder minder gefördert. Natürlich, daß jede Periode ihr eigenthümliches Gepräge aufdrückte und die Erzeugnisse auch dem jedesmaligen Bildungsgänge, sowie den sonstigen inneren und äußeren Verhältnissen der Nation und später der Religionsgenossenschaft entsprachen. Daher die so überaus große Mannigfaltigkeit der jüdischen Literatur, die, obgleich nur einen Zweck — die Religionswissenschaft — vor Augen habend, doch auch über scheinbar fern davon liegende Gebiete sich erstreckte. Ueberblicken wir in der That den Umfang der jüdischen Schriftenwelt in ihrer Gestaltung seit dem Schluffe des Pentateuchs bis auf die jüngste Zeit herab, was werden wir zuerst gewahr? Alte Nationalgeschichte von der Eroberung des Heimatlandes durch Heroismus, Wachsthum, Größe, Ueppigkeit bis zum Verfall und Sturz und zur endlichen theilweisen Wiederherstellung, verwebt mit erhebenden Gesängen voll Aufblicks zum höchsten Gotte; sodann Ermahnungen und Weissagungen hoher Gottes-