Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 142)
- Language
- German
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139 danken erfaßte, den Juden wieder den Eintritt in Spanien zu verschaffen, und sich deshalb mit einer Denkschrift an die spanische Regierung wandte. Es mißlang bei der gegenwärtigen Session der Cortes, damit durchzudringen. Aber so wie mancher Sieg als Niederlage gelten muß, so dürfte es wohl hier umgekehrt sein, und die erlittene Niederlage wenigstens als ein halber Sieg ausgelegt werden können. Die über die Religionsfrage (Art. 2 der Verfassung) ausgestellte Commission wurde durch Einwendungen höchsten Ortes veranlaßt, auf möglichste Beschränkung der Glaubensfreiheit anzutrageu. Dennoch nahmen die Verhandlungen entert bemerkenswerthen Gang. In der Sitzrtng am 8. Februar 1855 wurdeeinAmendementvorgebracht, lautend: Das Gesetz gewährleistet die Freiheit des Cnltus und des Gewissens. Dafür stimmten 73, dagegen 139. Zwei Tage darauf, ant 10. Februar, brachte Corradis ein Amendement ein, das für die Ausländer völlige Cultusfreiheit, und für die Spanier Entbindung von aller Verantwortlichkeit in Folge ihres Glaubens wollte. Von Olozaga und dem Minister des Aeußern bekämpft, erhob sich die Minorität, die dafür stimmte, zur bedeutenden Zahl von 115 gegen 132, und der Sieg der Unfreiheit war mit nur 17 Stimmen errungen. Wir stimmen daher Dr. Philippsou, der hierüber berichtet, vollkommen in der Hoffnung bei, daß der Tag kommen werde, wo in Spanien die Gewissensfreiheit durch Stimmenmehrheit votirt werden wird. Inzwischen darf die Formulirung des angenommenen zweiten Verfassungsparagrafen mit folgendem Passus immerhin als ein Fortschritt in diesem Lande betrachtet werden: »Kein Spanier oder Ausländer wird wegen seirter Meinung oder seines Glaubens verfolgt werden.« Der junge König von Portugal hat auf der Reise, die er durch einen großen Theil von Ertropa unternahm, mehrere Synagogen besucht, und soll namentlich zu Wien und Amsterdam sich in einerWeiseüber die Juden geäußert haben, welche ihrer künftigen Stellung in Portugal von günstiger