Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 126)
- Language
- German
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123 errichteten Anstalten Ln Jerusalem zu machen. Als er der israelitischen Schule erwähnte, welche in Constantinopel gegründet werden soll, unterbrach ihn der Sultan mit den Worten: »Du meinst es gut mit meinen Unterthanen!« Der Sultan bewilligte hierauf, die Zahl der in die Militärschule von Kumbar-Chaneh (Mher Galata-Serai) aufzunehmenden jüdischen Zöglinge auf 40 zu erhöhen. (Dieselben haben dort ihre eigene Küche und leben ganz nach ihrem Ritus.) Der Sultan gewährte ferner, daß zwei der befähigtesten Zöglinge jährlich auf seine Kosten nach Paris oder einer anderen Hauptstadt in Europa zur Vollendung ihrer Studien gesendet werden sollen. Als Dr. Kohn den von der jüdischen Religion beim Anblick eines Monarchen vorgeschriebenen Segen feierlich sprach, standen dem Sultan Thränen in den Augen. Er dankte und sagte: »Wenn Du nach Constantinopel zurückkehrst, triffst Du deine Glaubensgenossen in einer besseren Lage. Ich versprecht es Dir.« Diese Worte wurden von Ferid Effendi verdollmetscht, welcher Dr. Kohn beim Sultan eingeführt hatte und beifügte: »Ich freue mich, mit Said Pascha zeitig genug angekommen zu sein, um dieser merkwürdigen Audienz beizuwohnen, denn niemals sah ich den Sultan so bewegt.« An demselben Tage wurde Herr Dr. Kohn auch von Said Pascha empfangen, welcher ihm für die Israeliten in Aegypten ebenfalls alle Zugeständnisse verhieß. Eine andere Idee zur Förderung der Gesittung und der Fortbildung unserer Glaubensgenossen im Orient wurde durch Dr. Philippson angezeigt und er schritt mit gewohntem Eifer an deren Verwirklichung. Er erließ nämlich einen Aufruf, um jüdische Knaben und Jünglinge aus dem Orient in Europa erziehen zu lassen. Sie sollen sich hier die europäische Gesittung, vor allem aber die Befähigung zur gemeinnützigen Thätigkeit in Kunst und Handwerk aneignen, um dann selbst als Missionäre in ihrer Heimat zu wirken. Theilweise scheint die lobenswerthe Absicht darin gelungen,