Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 125)
- Language
- German
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122 geflossen. Aber auch von anderen Seiten wurden Sammlungen für die Armen Jerusalems in Gang gebracht; besonders erfolgreich war hierin das unermüdliche Wirken des Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner zu Magdeburg, wie dies die vielfachen Ausweise in der allgemeinen Zeitung des Judenthums darlegen. Auch von den österreichischen Juden ging manche anerkennenswerthe Leistung aus. Der verstorbene Großhändler Fein hat das Verdienst, die früher untersagten Sammlungen für die Inden in Palästina wieder in Gang gebracht zu haben. Der von einem Theil derselben zu ihrem Bevollmächtigten für Oesterreich beglaubigte Hofwechsler Deutsch hat diesfalls Aufrufe erlassen und Sammlungen veranstaltet. In dem benachbarten Eisenstadt hat der dortige Rabbiner über 2000 fl. zusammengebracht. Nach dem letzten Berichte, welchen die A. Z. d. I. über die Lage der palästinischen Juden enthält, wäre in Betreff an versorglichen Anstalten nicht viel von Anregungen zur Agricultur, das Meiste aber von industriellen Unternehmungen zu erwarten. Vor Allem aber thäte ein einiges Zusammenwirken im Geiste echter Bruderliebe Noth, um die menschenfreundlichen Leistungen der Einzelnen nicht zersplitternzulassen, sondern zur folgenreichen That zu gestalten. Ans der Rückreise hatte Kohn die Ehre, von dem Sultan in feierlicher Audienz empfangen zu werden. Der k. k. Legationsrath und erste Dragoman, Herr Schreiner, wohnte der Audienz bei. Der Großherr sprach sich dahin ans, daß sämmtliche Rechte, Privilegien und Immunitäten, welche bisher den christlichen Gemeinden gewährt worden sind und künftig gewährt werden, auch den Israeliten in der Türkei zugestanden sind, »denn das väterliche Herz Sr. Majestät werde niemals zugeben, daß der geringste Unterschied zwischen den nichtmuselmännischen Unterthanen (Rajah's) des Reiches obwalte.« Der Großherr sprach weiter: »Mein Herz ist weit und umfaßt alle meine Staatsangehörigen mit gleicher Liebe wie meine Kinder.« Herr Kohn wurde hieraus eingeladen, Mittheilungen über die von ihm