Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 104)
- Language
- German
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101 hätte wegschneiden können. Dagegen meinen noch andere Lehrer, man könne ohne Unterschied alle Kinder nach einer Schablone abrichten. Da überkommt den Schullehrer immer die Furcht, man werde einmal bei der Gleichmachungssucht eine etwas längere Nase für eine unnütze Warze halten, und sie mir nichts dir nichts abschneiden wollen. 21. Viele Lehrer glauben: Menschliches Wissen vermehrt sich wie ein Sandhaufen, der größer wird, je mehr man hinzuthut. Schullehrer aber meint: Menschliches Wissen wächst wie das Bäumlein, das aus einem oft kleinen Kerne allmälig sich füllt und anfgeht. So aber Jemand meint, die Kenntnisse schießen wie die Spargel empor, so irrt er wieder groß. Der Eulenspiegel hat Salz ausgesäet und doch keines geerntet, und zwar darum, weil Salz nicht wie das Korn wächst, und wer mehr Salz haben will, muß mehr Hinzuthun. Also meint der Schullehrer: Wer unterrichtet, muß genau zusehen, was im kindlichen Geist wächst und was sich blos anhäusen läßt. 22. Viele Lehrer halten es für ein gutes Zeichen des Fortschrittes, wenn die Jungen gerne Märchen lesen, fein declamiren und die Feder zu führen verstehen. Schullehrer aber meint zweierlei. Erstlich: Es könne Jemand ein feines Gehör haben und doch stockblind sein. Zweitens: Ein breites Maul macht gar oft einen schmalen Schädel, und was das Märchenlesen anbelangt, so will ihm bedünken, daß viel Dlumendust auch tobten kann. E. Diverse Ansichten. jQat aber der Schullehrer seine Paradora, so haben manche Leute wieder die ihrigen, als wieder zum Beispiel: 23. In X. ist ein Haus, wo die deutschen Judenkiuder französisch beten müssen, damit sie die fremde Sprache in den Mund kriegen. Auch werden die Lehrfächer in französischer Sprache unterrichtet, damit sie aufs Ohr wirken. — Schullehrer hat nun freilich gemeint, beim Ge-